Andres Veiel

wurde 1959 in Stuttgart geboren. Nach dem Psychologiestudium in Berlin, absolvierte er eine Regie- und Dramaturgieausbildung am Künstlerhaus Bethanien, wo er stark von Krzysztof Kieslowski geprägt wurde. Es folgten Lehraufträge an verschiedenen Filmhochschulen auf der ganzen Welt. Am Berliner Gefängnistheater Berlin-Tegel inszenierte er mehrere Stücke, woraus 1991 sein erster Dokumentarfilm "Winternachtstraum" entstand. Mit seinem ersten Spielfilm "Wer wenn nicht wir" gewann er den Alfred-Bauer-Preis der Berlinale 2011.

       

Wer wenn nicht wir
von Andres Veiel


Szenen aus Wer wenn nicht wir

 

 

Wer wenn nicht wir

Ein Missverständnis muss man gleich aufklären: Dies ist kein Film über den deutschen Terrorismus der RAF.
Es kommen zwar vor: Gudrun Ensslin, die Pfarrerstocher, die sich von ihrem Kind trennte, um in den Untergrund zu gehen, Andreas Baader, der düster-schillernde schwarze Prinz der Baader-Meinhof-Gruppe, die Deutschland mit einer Serie von politisch motivierten Attentaten und Entführungen erschüttern sollte, und Bernward Vesper, ein Revolutionär des Herzens, der an seinen inneren Widersprüchen auf andere Art zerbrochen ist. Jeder Wahnsinn setzt eine Normalität voraus. 
Anfang der 60er Jahre leben Gudrun und Bernward noch in einer deutschen Nachkriegsrepublik, in der ehemalige nationalsozialistische Funktionäre noch zu höchsten politischen Ämtern aufsteigen können. Bei einer Hauswirtin müssen sie versichern, dass sie "verlobt" sind, um eine Wohnung anmieten zu können, und die Bauernschränke in der Küche verraten den ganzen Biedersinn der Epoche. Die beiden haben auch ganz persönlich ihre familiäre Vergangenheit aufzuarbeiten. Gudrun Ensslin muss sich aus ihrem streng protestantischen Elternhaus befreien, das ihr die Luft zum Atmen nimmt. Bernward Versper ist mit einem Vater geschlagen, der ein bekannter Schriftsteller der Nazizeit war und sich als unbelehrbar zeigt. Trotzdem versucht der Sohn in einem kleinen, mit Gudrun gegründeten Verlag, die Schriften seines Vaters neu zu veröffentlichen. 1964 geht das Paar nach West-Berlin, taucht ein in die linke Bohème der Mauerstadt, fühlt sich als Teil des beginnenden Aufbruchs. trotz ihres kleinen gemeinsamen Sohnes verlässt Gudrun für den radikaleren Andreas Baader Mann und Kind, driftet ab in die Terrorszene, während Vesper sich in Drogentrips verliert.

Veiel zeigt mit schonungsloser Offenheit die Verletzungen und Ängste einer "verlorenen Generation", die sich vom "Muff der Talare" befreien konnte, neu denken und lange zu leben wagte, die aber vom selbstzerstörerischen Impuls der Vätergeneration eingeholt wurde.

 
 

Spielzeiten

Mi, 22.06.2011      22.30 Uhr      Festivalkino 1
Do, 23.06.2011 20.15 Uhr Festivalkino 1
Fr, 24.06.2011 16.30 Uhr Festivalkino 1

 

Freigegeben ab 12 Jahre (FSK)

Empfehlung des Festivals: ab 14 Jahre



 

Angaben zum Film

Regie & Buch: Andres Veiel
Länge: 124 Min.
Darsteller: August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Thomas Thieme, Susanne Lothar
Kamera: Judith Kaufmann
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Musik: Annette Focks

Produktion:
Zero One Film
Lehrter Str. 57
10557 Berlin
office@zeroone.de

Verleih:
Senator Film Verleih
Schönhauser Allee 53
10437 Berlin
info@senator.de

Weltvertrieb:
The Match Factory GmbH
Balthasarstr. 79-81
50670 Köln
info@matchfactory.de

 


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