Christian Petzold

wurde 1960 in Hilden geboren. Mit
21 Jahren zog er nach Berlin, wo er
Germanistik und Theaterwissenschaften
studierte. Nach seinem

Abschluss begann er ein Studium
an der Deutschen Film- und
Fernsehakademie (dffb), welches
er 1995 mit dem Film „Pilotinnen“
erfolgreich abschloss. Gemeinsam
mit Angela Schanelec und Thomas
Arslan gilt er als einer der wichtigsten
Regisseure der „Neuen
Berliner Schule“. Seine Filme
„Gespenster“ (2005) und „Yella“
(2006) waren in diesen Jahren
Eröffnungsfilme des Festival des
deutschen Films.

 

Dreileben - Etwas Besseres als den Tod
von Christian Petzold


Szenen aus Dreileben - Etwas Besseres als den Tod
 

 

 

Dreileben - Etwas Besseres als den Tod

„Schneewittchenfilme“, so hat Dominik Graf einmal die Filme von Christian Petzold genannt. Und in der Tat kann man bei Petzold das Erbe der deutschen Romantik kaum übersehen. Seine Geschichte aus dem Ort Dreileben ist wie eine Umgehungsstrasse des Ortskerns.
Zwei Liebende kommen zusammen. Der Zivildienstleistende Johannes und das Zimmermädchen Ana könnten eigentlich nie zusammen kommen. Dem jungen Mann ist die Tochter des Chefarztes versprochen, die zu Beginn der Geschichte auf Reisen ist. Zimmermädchen Ana träumt vom Leben im neuen Glück und ist zunächst von der bedingungslosen Liebe des jungen
Mannes so verzaubert, dass sie alle Risiken vergisst und eine gemeinsame Zukunft herbeisehnt. Johannes lässt sie an all das glauben, ist selbst verführt von der Möglichkeit einer unmöglichen Liebe, bis ihn seine kalte berechnende Lebensplanung einholt. Noch bei der Fahrt ins Grüne des zukünftigen Ärzteehepaars ist die abwesende Ana als verpasster Traum anwesend. Dann geht sie in den dunklen Märchenwald.

Eine Geschichte von der naiv empfundenen aufkeimenden Liebe, auch eine Geschichte vom baldigen Verrat, von Klassenschranken, die nur nächtens zeitweise überwunden werden können. Die Klinik, die Brücke, der Wald und das grosse Glück der ersten Liebe, die bald auf dem Altar des Realismus geopfert werden wird. Dazwischen der Mörder, der geöffnete Türen und Fluchtchancen, schliesslich die Walddüsternis nutzt für sein schreckliches Tun. Christian Petzold erzählt seine Geschichte von der Grausamkeit in der Biografie der Gefühle äusserst konsequent und beeindruckend. Liebe macht blind und schwach. Mörder haben leichtes Spiel, wenn die Seele schon verletzt ist.




 Spielzeiten

Sa, 18.06.2011
19:30 Uhr
Festivalkino 2
So, 19.06.2011 18:00 Uhr
Festivalkino 2
Mi, 22.06.2011 19:30 Uhr
Festivalkino 2

Empfehlung des Festivals: Ab 16 Jahre



Dreileben - ein beispielloses Gemeinschaftsprojekt deutscher Filmemacher

Am Anfang stand ein Gespräch über e-mail. Dominik Graf hatte bei seiner Antrittsvorlesung an der Internationalen Filmschule in Köln die Regisseure der „Neuen Berliner Schule“ kritisiert. Der Einladung zu einem Symposion in Berlin über die „Nouvelle Vague Allemande“, wie französische Filmkritiker die Filme von Christian Petzold und Christoph Hochhäusler bezeichneten, konnte er aus Termingründen nicht folgen. So kam es zu einem produktiven schriftlichen Austausch über das „Filme machen“. Dominik Graf - ein Gegner des erstarrten Autorenkinos - hielt die Fahne des in Deutschland weitgehend fehlenden Genre-Kinos hoch. Petzold und Hochhäusler verteidigten ihre Filme, bis irgendwann frei nach François Truffaut die Erkenntnis reifte, dass die beste Kritik an einem Film nur ein anderer, ein neuer Film sein kann. Aus dem Disput wurde ein Projekt. Drei Filme. Drei Geschichten am selben Ort. Stilistisch sehr verschieden nahmen sich die drei eines Kriminalfalles an, der im thüringischen Ort „Dreileben“ spielt. Ein Serienmörder entwischt, als er im Krankenhaus seine tote Mutter betrauern darf. Er lebt im Wald. Er findet seine Opfer aber trotzdem, auch wenn ihm die eigens angereiste Polizeipsychologin Johanna dicht auf der Spur ist. 
Die drei Fernsehfilme von jeweils 90 Minuten erzählen ihre eigenen Geschichten eine Liebesromanze, eine Dreiecksgeschichte mit Geheimnissen aus der Vergangenheit und eine düstere Seelenwanderung durch den deutschen Wald. Opfer-, Polizei- und Täterperspektive ergänzen sich in den drei Filmen, die eine jeweils in sich abgeschlossene Geschichte erzählen. Es gibt quasi nur Seitenblicke, nur Fenster, durch die man gelegentlich in die anderen Filme schauen kann. Ein ganz besonderes spannendes Experiment, das so noch keiner gewagt hat. Und tatsächlich sind diese Filme höchst unterschiedlich und haben doch eine ganze Menge miteinander zu tun. Es sind sozusagen filmische Umgehungsstraßen zum Ortskern.

 

Angaben zum Film


Regie & Buch: Christian Petzold
Länge: 88 Min.
Darsteller: Jacob Matschenz, Luna Mijovic, Rainer Bock, Kirsten Block, Stefan Kurt, Jeanette Hain
Kamera: Hans Fromm
Schnitt: Bettina Böhler
Musik: Stefan Will

Produktion:
Schramm Film
Koerner & Weber

Bülowstr. 90
10783 Berlin
koerner@schrammfilm.de

Im Auftrag des
Bayerischen Rundfunks


Weltvertrieb:
Bavaria Film International
Bavariafilmplatz 7
82031 Geiselgasteig
international@bavaria-film.de

 

 

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