Abschied von einem Freund

Letztes Jahr haben wir noch mit ihm eine ganze Woche verbracht. Er genoss die besondere Atmosphäre des Festivals, erzählte viele Geschichten von "Früher" und war voller Pläne. Seiner schweren Krankheit musste er aber schon Tribut zollen. Er verschwand manchmal für Stunden vom Festivalgelände. Dann war
er wieder da. Leise aber bestimmt erklärte er in seinen Filmgesprächen den Kinobesuchern seinen Film und berichtete manchmal heiter, manchmal provokativ von seinem Leben, das ihn als jungen Mann auch nach Ludwigshafen geführt hatte.
In der kurzen Zeit, die er bei uns
war, hat Schroeter sich sehr wohlgefühlt und ist unser Freund geworden. Während seines Aufenthalts zeigte er sich begeistert von unserem jungen Festival: "Ich finde dieses Festival ganz prima, das endlich mal einechtes Publikumsfestival ist. Es ist eine absolute Spitzenleistung."


Mit Werner Schroeter verlieren wir einen menschlich und künstlerisch großartigen Kinoerzähler, der ohne Kompromisse in leidenschaftlicher Humanität seine zahlreichen Film- und Theaterprojekte verfolgte. Wir werden in diesem Jahr einen Strauß Blumen für ihn auf die Bühne stellen. Und Sie können auch seinen letzten Film noch einmal anschauen:
Diese Nacht
(Nuit de chien), eine Endzeitgeschichte, die im Wettbewerb des Festivals 2009 lief und dort mit einer "Besonderen Auszeichnung" der Jury geehrt wurde.

 

Sondervorführung Diese Nacht
von Werner Schroeter


Regisseur Werner Schroeter, Szenen aus Diese Nacht (v.l.n.r.)


Diese Nacht von Werner Schroeter, 118 Minuten

Ein Paranoiathriller mit Anspielungen auf Grimms Märchen und den "Film noir" - zugleich eine Ode an die Schönheit der Kunst. Diese Nacht, ursprünglich auf französisch gedreht als Nuit de chien, ist der letzte Film, den Meisterregisseur Werner Schroeter gedreht hat. In einer chaotischen Situation, in einer Nacht der langen Messer in der imaginären Hauptstadt eines imaginären Landes am Rande des Bürgerkriegs, sucht der Held, ein desillusionierter Freiheitskämpfer, seine Geliebte. Es bleibt ihm nur diese Nacht zur Flucht. Jeder versucht, seine Haut zu retten, und im mondänen Nachtclub "First and Last" tanzen die Bewohner der Phantasiestadt Santa Maria dem Untergang entgegen.


Spielzeiten

Sa, 19.06.2010 23.30 Uhr Festivalkino 1
So, 20.06.2010 16.00 Uhr Festivalkino 1
Mi, 23.06.2010 16.00 Uhr Festivalkino 1

 


Werner Schroeter


wurde 1945 in Georgenthal (Thüringen) geboren. 1967 drehte er seine ersten Experimentalfilme auf 8mm und zeigte sie später auf dem Experimentalfilmfestival von Knokke. Dort lernte er Rosa von Praunheim kennen, mit dem ihm eine intensive persönliche und künstlerische Beziehung verband. Er erhielt 1969 den Josef-von-Sternberg Preis auf der Filmwoche in Mannheim. 1968/1969 enstanden eine Vielzahl von Experimentalfilmen, welche durch Schroeters Liebe zur Oper geprägt sind. In den 70er Jahren zeichneten sich seine Werke durch eine schillernde, extravagante Note der opernhaften Theatralität aus, wie etwa Salome (1971) oder Flocons d'Or (1973-1976). In den 80er Jahren wandte sich Schroeter einem realistischeren Stil zu und drehte z.B. Palermo oder Wolfsburg (1980), der mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. 1990 erhielt Werner Schroeter den Deutschen Filmpreis für den Besten Film und Beste Regie für Malina. 2009 kehrte er mit Diese Nacht noch einmal auf die Kinoleinwand zurück. Werner Schroeter verstarb am 12. April 2010.

 

 

 

Eintrittspreise 

Einzeleintrittskarten
€ 7,50/5,50 ermäßigt

Sonderpreis Fernsehfilme
€ 3,00

Kassenöffnung während des Festivals täglich 11-23 Uhr

Weitere Eintrittspreise und -konditionen entnehmen Sie bitte unter der Rubrik Eintrittskarten und Preise

 


 

 

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