Einsamkeit und Sex und Mitleid

von Lars Montag

Mit Bernhard Schütz, Jan Henrik Stahlberg, Friederike Kempter, Rainer Bock, Maria Hofstätter, Lilly Wiedemann, Hussein Eliraqui

Los geht’s mit einem perversen Schuhdiebstahl. Bald zappeln verschiedene Großstadtmenschen im Spinnennetz der Sexualität. Ein Lehrer, der frühpubertäre Mädchen angrabscht oder auch nicht, ein Callboy, der nicht „kommen“ darf, Veganer und Bienenfreunde, ein Araber, der nur das „Eine“ möchte und Swentja ein Angebot macht, „das sie nicht ablehnen kann“. Derweil verschwinden in den Gemälden von Janine die realen Menschen, angesichts von Eheproblemen und Datingportalen, die nichts ändern an der Hilfslosigkeit. Das verfluchte „erste Mal“, Trennungsversuche und Mordanschläge. Magische Orte und lächerliche, kranke Kabinen. Sex wollen alle. Doch wie geht das nur und was kommt dabei heraus in unserer Welt der Fitnessstudios und der fehlgeleiteten Wunschmaschinen, zu denen man selbst noch den automatischen Staubsauger zählen darf? Bloß nicht den Sex mit all zu viel Bedeutung aufladen. Das tut ihm nicht gut. Es ist sogar gefährlich. Surrealistische Beziehungskapriolen und naive Versuche in „lächerlichen Aktionen“ das Glück zu finden. Denn das Glück ist gut versteckt. Aus einem ebenso klugen wie absurden Roman von Helmut Krausser hat Lars Montag eine faszinierende und kunterbunte Sketchparade gemacht, die sich am Ende allerdings jeder irgendwie auch selbst zusammenreimen muss. Viel Material für wilde Debatten hinterher und ein immer wieder aufblühendes Gelächter, hinter dem viel Weisheit steckt. Wild, verwegen und mit ganz viel visuellem Reichtum beschäftigt sich der Film am Ende doch mit Grundfragen der menschlichen Existenz und mit jedem tieferen Unsinn, der darin steckt.

Regie: Lars Montag
Buch: Helmut Krausser, Lars Montag
Länge: 120 Min.
Kamera: Mathias Neumann
Schnitt: Marc Schubert
Musik: Konstantin Gropper
Ton: Marc Meusinger
Produzent: Werner C. Barg
Redaktion: Cornelia Ackers (BR), Frank Tönsmann (WDR)
Produktion: OPAL Filmproduktion Halle GmbH . Mansfelder Straße 56 . 06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 521 96 47 . patrick.boose@opalfilm-halle.de . www.opalfilm-halle.de
Verleih: X-Verleih . Kurfürstenstr. 57 . 10785 Berlin
Tel.: 030 269 336 45 . meike.guenther@x-verleih.de . www.x-verleih.de

LARS MONTAG
ist Film- und Theaterregisseur sowie Drehbuchautor. Thematisch decken seine Inszenierungen ein breites Spektrum ab – von Jugendkomödien wie „Küssen verboten, Baggern erlaubt“ (2003) bis hin zu Tatort-Folgen. 2016 war Montag mit „Herzblut – Ein Kluftinger-Krimi“ auf der Parkinsel zu Gast. Mit seinem Kinodebüt „Einsamkeit und Sex und Mitleid“, das bereits drei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis erhielt, kehrt er dieses Jahr zurück.

Festivalkino 1
Donnerstag, 7. September – 22:30 Uhr
Samstag, 16. September – 22:30 Uhr

Festivalkino 2
Dienstag, 12. September – 21:00 Uhr

Open Air
Freitag, 1. September – 22:30 Uhr

Das FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS LUDWIGSHAFEN AM RHEIN feierte 19 Tage das deutsche Kino

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