Festivalzeitung — 6. September 2018

Ludwigshafener Polit-Thriller feierte Premiere

Schauspielerinnen Lisa Bitter, Lena Drieschner, Regisseur und Drehbuchautor Tom Bohn, Produzent Nils Reinhardt und Produktionsleiterin Birgit Simon erzählten gestern Abend nach der Premiere von „Vom Himmel hoch“ dem begeisterten Publikum von der Entstehung des neuen Ludwigshafener Tatorts. Ulrike Folkerts konnte wegen anderen Dreharbeiten dieses Mal leider nicht dabei sein. Bei „Vom Himmel hoch“ handelt es sich jedoch weniger um einen klassischen Tatort-Krimi. Bohn erklärte: „Ich mag amerikanisches Kino, insbesondere Thriller und Spannung, da habe ich die Chance natürlich gerne wahrgenommen einen Polit-Thriller zu drehen. Ich denke, sich im Film auszuprobieren ist wichtig und macht Spaß, aber bei einem Format wie Tatort muss man bei der Umsetzung auch daran denken, dass ein Stammpublikum gewisse Erwartungen hat und sonntags um 20.15 Uhr vor allem unterhalten werden will.“ Für einen gelungenen Film findet Bohn vor allem eine gute Vorbereitung sehr wichtig, diese komme aber oft zu kurz. Dieses Mal konnte das Team aber zuvor sogar das Schießen am Schießstand üben. Lisa Bitter erzählte: „In meiner Rolle war ich ja zuvor in der Fallanalyse tätig und wurde in dieser Folge zum ersten Mal auf die Straße geschmissen. Eine richtige Waffe in der Hand zu halten, das machte was mit mir, da ist einem schon das Herz in die Hosentasche gerutscht. Aber man wird sensibler für das Thema und es ist auch immer toll mit echten Polizisten zu reden und Einblick in die Wirklichkeit zu erhalten.“ Zur Vorbereitung ergänzte Bohn: „Ich war selbst beim Bund und kenne die Not der Soldaten. Ich habe aber auch viel recherchiert und mit einigen Leuten mit posttraumatischen Belastungsstörungen gesprochen. Die Idee Drohnen zur Ausschaltung von Anführern einzusetzen sollte weniger Menschenleben aufs Spiel setzen, aber die Strategen machten ihre Rechnung ohne die Seele der Menschen. Man kann einfach nicht unbeschadet andere Menschen töten.“ Lena Drieschner, die im Film Heather, eine ehemalige Drohnenpilotin mit posttraumatischer Belastungsstörung, spielt, meinte zu ihrer Rolle: „Es war spannend eine Figur jenseits der schwarz/weiß oder gut/böse Einteilung zu spielen. Ich verkörperte keine Terroristin, sondern die Nöte einer Person, die an ihre militärische Zugehörigkeit geglaubt hat und von ihrem Glauben enttäuscht wurde.“ Beim Dreh habe sie vor allem an den Kampfszenen großen Spaß: „Ulrike Folkerts und Lisa Bitter sind beide nicht zimperlich. Da kann man sich mal so richtig auf die Mütze hauen.“ Da das Zusammenspiel zwischen den Figuren Heather und Kommissarin Stern sehr eng war, war Lisa Bitter beim Casting zur Heather mit von der Partie. Eine komplette Woche wurde in Ludwigshafen gedreht, beispielsweise im Industriegebiet Süd und am Ebertpark. Die Stadt ist natürlich vor allem Setting, aber auch die Geschichte soll immer etwas die Region und ihre Menschen widerspiegeln. So geht es in dem Tatort um die Air Base Ramstein und auch Industriearbeiter spielen eine Rolle. Bohn: „Ich finde unsere Filme, auch die Tatorte müssen politischer werden und das egal in welcher Richtung auf dem demokratischen Spektrum. Es ist wichtig die Augen aufzumachen, nachzudenken und Stellung zu beziehen.“ „Vom Himmel hoch“ ist  bis Samstag noch täglich bei uns auf dem Festival zu sehen.

„Mr. & Mrs. Smith“ vom Berliner Kiez

Der Film „Herr und Frau Bulle“ von Regisseur Till Franzen lief gestern zum ersten Mal auf der Parkinsel und ist vielleicht der Auftakt für eine neue Reihe. Aktuell wird an einer Fortsetzung gearbeitet und das Team hofft auf positive Resonanz, denn nur dann wird die Geschichte des Polizei-Ehepaares in Berlin weitererzählt. Das und vieles mehr erfuhr das interessierte Publikum gestern beim Filmgespräch unter anderem mit Regisseur Till Franzen und den beiden Hauptdarstellern Alice Dwyer und Johann von Bülow . Die beiden verkörpern in „Herr und Frau Bulle“ eine Art deutsche Version von „Mr. & Mrs. Smith“, die sich im Berliner Kiez über die Zusammenarbeit an einem Fall neu kennenlernen. Für Alice Dwyer war das Reizvolle an dem Film, dass nicht alles auserzählt wird, sondern Geheimnisse und Themen angesprochen und erst in möglichen weiteren Folgen aufgedeckt werden. Sie ist selbst in Berlin Schönefeld aufgewachsen und wollte daher unbedingt diese Rolle spielen. Johann von Bülow, der im Film ihren Ehemann verkörpert, kam dank der guten Intuition seiner Agentin zu dem Projekt und freut sich, auch mal eine charmante, positiv besetzte Rolle spielen zu können. Für ihn haben gute Konstellationen eine ungeheure Bedeutung und es freue ihn, wenn sich das was zwischen SchauspielerInnen passiert, auch auf die ZuschauerInnen übertrage. Das ist ihm mit Dwyer gelungen. Wenn Sie sich auch von diesem Zusammenspiel überzeugen möchten, haben Sie auf dem Festival noch bis einschließlich Samstag, 8. September die Gelegenheit dazu.

Ausgabe 15 zum Download

Festivalzeitung — 5. September 2018

Von Katzen und Menschen

„Die defekte Katze“ handelt nicht nur von einer gendefekten, ungehorsamen Katze, die in der gemeinsamen Wohnung des jungen Paars für Chaos sorgt, sondern auch von Einsamkeit und gesellschaftlichem Druck. Versinnbildlicht durch eben diese Katze. Im Filmgespräch sprach Regisseurin und Drehbuchautorin Susan Gordanshekan gestern über den Dreh und die symbolischen Ebenen ihres Langfilmdebüts. „Viele Dinge in meinem Film, liegen im Auge der Betrachter“, so die Regisseurin, die ihr Publikum gerne zum Nach- und Mitdenken anregen wollte. Sie entschied sich auch dagegen, die Rollen nur mit professionellen Schauspielern zu besetzen, denn schon in ihren Kurzfilmen machte sie gute Erfahrungen damit, Laien und Profis zu mischen. Gesucht hatte sie ihre Schauspieler ein ganzes Jahr lang, indem sie Aufrufe in sozialen Medien startete und alle 2 Wochen ein Casting abhielt. Iranisch stämmige Schauspieler oder auch Laiendarsteller in Deutschland zu finden, gestaltete sich als gar nicht so einfach. Ursprünglich hatte sie für die Rolle der Mina auch eine jüngere Schauspielerin mit weniger Erfahrung vorgesehen und sich erst zwei Wochen vor Drehbeginn für Pegah Ferydoni entschieden, da die ursprüngliche Besetzung nach der Zusage einer Schauspielschule, den Dreh absagen musste. Im Nachhinein ist Gordanshekan jedoch froh um diese Wendung, denn Ferydonis professionelles Spiel stellte sich beim Zeitdruck während des Drehs als äußerst hilfreich heraus. Besonders stolz ist die Regisseurin auf die Szene zu Beginn des Films mit der Heiratsvermittlerin und Minas Mutter: „Die waren beide Laiendarstellerinnen und haben das ganz toll gemacht.“ Zum Film inspiriert wurde Gordanshekan durch die Geschichte ihrer eigenen Eltern: Ihr Vater studierte in den 60er Jahren Medizin in Deutschland und als er hier keine Partnerin fand, kehrte er kurzzeitig in den Iran zurück und lernte ihre Mutter durch eine Heiratsvermittlung kennen. Nach der Hochzeit kehrten sie dann gemeinsam nach Deutschland zurück. Auch wenn viele Paare sich im Iran heutzutage an der Uni, bei der Arbeit oder Freizeitaktivitäten kennen lernen, ist die traditionelle Art der Partnervermittlung auch heute noch gebräuchlich. In Vorbereitung auf ihren Film sprach Gordanshekan mit vielen Paaren die sich so kennenlernten. Sie meinte dazu: „Auch wenn Scheidungen keine Seltenheit mehr sind im Iran, sind die traditionell geschlossenen Ehen im Schnitt nicht unglücklicher oder instabiler als andere.“ Natürlich muss die Kluft der Fremdheit überwunden werden, aber ist diese Art des Kennenlernens für uns im Internet-Zeitalter wirklich so unverständlich, in der sich viele über Dating-Portale oder Apps kennenlernen? „Die defekte Katze“ ist heute und morgen noch bei uns auf der Parkinsel zu sehen.

„Damian“ – Polizeiliche Beratung und eigene Handschrift

„Damian“ ist er dritte Schwarzwaldtatort in SWR-Eigenproduktion, der erst letzte Woche fertiggestellt wurde: Ausnahmsweise spielt Eva Löbau bei diesem dritten Schwarzwaldtatort nicht an der Seite von Hans-Jochen Wagner. Der Kommissar sei erkrankt, heißt es im Film und das war Wagner auch tatsächlich, so spielte Löbaus Partner dieses Mal Carlo Ljubek. Der schaffte es zwar gestern nicht zur Premiere, aber Regisseur Stefan Schaller kam nicht alleine, sondern wurde von vielen aus dem Filmteam, unter anderem von den Schauspielern Eva Löbau und Johann von Bülow begleitet. Beim Filmgespräch erzählte SWR-Redakteurin Katharina Dufner von den Besonderheiten des Schwarzwald-Tatorts: Die Geschichten seien an die Gegend des Schwarzwalds angepasst und eine weitere Prämisse dieser Tatort-Reihe sei es, interessante Autoren und Regisseure dafür zu gewinnen, Tatorte mit ihrer eigenen Handschrift zu machen. Dufner ergänzte: „Wir haben außerdem sehr engen Kontakt zur Polizei und Kripo in Freiburg, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Vor allem in Fragen was realistisch ist und was nicht.“ Obwohl das Kommissariat im Film in Freiburg angesiedelt ist, liegt das Büro, in dem gedreht wird, tatsächlich in Baden-Baden – in einem Gebäude zusammen mit den Tatort-Kommissariaten Ludwigshafen und Stuttgart.

Der Freiburger Kripochef sei aber auch schon persönlich am Set erschienen, um offene Fragen zu klären. „Wir wollen zeigen, wie richtige Polizeiarbeit aussieht, dazu zählen wie in diesem Tatort auch Überarbeitung und Übermüdung“, so Dufner. Die Übermüdung der Kommissare habe auch sehr dabei geholfen, die Ermittlungsebene atmosphärisch mit der Erzählung des überforderten Damian zu verbinden, erklärte Drehbuchautor Lars Hubrich. Regisseur Stefan Schaller ergänzte: „Alle Figuren in diesem Tatort sind auf ihre Art auch Außenseiterfiguren, haben aber natürlich nicht alle die gleiche Schwere der Tragik. Durch die Abwechslung scheint Damians Geschichte viel schwärzer.“ Johann von Bülow meinte: „Meine Rolle ist gleichzeitig lustig wie tragisch, da die Figur sich einfach nicht zu helfen weiß. Der lustigste Drehtag war wohl, als ich die Damenunterwäsche für die Fotos anziehen musste.“ Noch bis einschließlich Freitag ist „Damian“ täglich bei uns zu sehen.

Ausgabe 14 zum Download

Festivalzeitung — 4. September 2018

Inselpremieren

Heute feiert der SWR-Tatort „Damian“ seine Premiere auf der Parkinsel und wir dürfen uns unter anderem auf Regisseur Stefan Schaller, Drehbuchautor Lars Hubrich sowie auf ein großes Schauspieleraufgebot mit Eva Löbau, Katharina Hauter, Oliver Jaksch, Mareile Blendl und Stefan Wilkening freuen. Doch damit nicht genug: Morgen können wir zu „Damian“ zusätzlich Lena Klenke und Enno Trebs und viele andere SchauspielerInnen und Filmschaffende zu weiteren Filmpremieren auf dem Roten Teppich begrüßen: Schauspieler Jan Krauter kommt zum Film „Für immer schweigen“ aus der Solo für Weiss-Reihe, zur Premiere von „Vom Himmel hoch“ können wir uns unter anderem auf Regisseur und Drehbuchautor Tom Bohn, die Schauspielerinnen Lisa Bitter und Lena Drieschner und von „Herr und Frau Bulle“  auf die Hauptdarsteller Alice Dwyer und Johann von Bülow freuen. Von Bülow reist bereits heute zu den Filmen „Rufmord“ und „Damian“ an, in denen er ebenfalls mitspielt. Falls Ihnen durch das große Staraufgebot die Filmauswahl für heute und morgen schwerfällt, seien sie unbesorgt: Die Filme laufen noch bis Ende der Woche und auch einige unserer Gäste, wie beispielsweise Johann von Bülow, werden für ein paar Tage bei uns bleiben und die Atmosphäre auf der Parkinsel genießen.

 

„Eldorado“ – Ein Film zum Nachdenken

Ein Film mit ziemlich aktuellem Thema: Sie dürfen selber erleben und hineingeraten in das, was als sogenanntes Flüchtlingsdrama bezeichnet wird. Immer noch sterben, wie Sie wissen, Menschen bei dem Versuch das verführerische „Eldorado“ Europa zu erreichen. Ein wunderbarer Essayfilm aus der Schweiz, der zum Nachdenken anregt. Der Film ist heute, morgen und am Freitag, 7. September, bei uns zu sehen. Auch Cutterin Beatrice Babin wird heute und morgen anwesend sein und beantwortet nach den Vorführungen gerne Ihre Fragen zum Film.

 

Sie haben die Wahl!

Hier auf dem Festival des deutschen Films ist Ihre Meinung gefragt! Zu jedem Film den Sie bei uns sehen und der für den RHEINGOLD Publikumspreis nominiert ist, wird Ihnen von unseren KinoeinlasserInnen ein Stimmzettel mitgegeben mit dem Sie nach der Vorführung bewerten können, ob und wie gut Ihnen der Film gefallen hat. Nicht die Quantität zählt hier, sondern die Qualität. Alle abgegebenen Bewertungen zu einem Film werden nämlich relational ausgewertet – unabhängig davon, wie oft und zu welcher Zeit ein Film läuft: Wir rechnen anteilsmäßig aus, wie viele der Leute den Film, den sie sahen auch gut fanden, denn wenn 100 Leute in einer Vorstellung waren und ihn alle „sehr gut“ fanden, sagt das ja mehr über den Film aus, als wenn ihn 100 sehr gut fanden und 1100 nicht, in einer ausverkauften Vorstellung. Denn die meisten ZuschauerInnen kaufen ihre Karten auf Verdacht, ohne zu wissen, was sie tatsächlich erwarten wird. Mit Abgabe des Stimmzettels können Sie entscheiden, welcher Film mit dem Publikumspreis, der mit 20.000 Euro dotiert ist, geehrt werden soll:  5.000 € gehen an die Regie, 5.000 € an die Produktion und 10.000 € an den Kinofilmverleih des Preisträgers. 

Sie haben nicht nur die Qual der Wahl, sondern haben auch die Möglichkeit den Preis selbst auf der Bühne zu überreichen: Wir losen aus allen Interessierten eine/n VertreterIn aus dem Publikum aus. Am Sonntag um 13 Uhr in Festivalkino 2 können Sie den RHEINGOLD Gewinnerfilm auch noch einmal bei uns auf der Parkinsel sehen. 

Mit unserer Kategorie „Festival-Lieblingsfilm“, wird aber auch die Quantität belohnt. Der Lieblingsfilm, der sich nach den verkauften Kinotickets richtet, steht mit fast nur ausverkauften Vorstellungen von „Endlich Witwer“ bereits fest. Dafür gibt es zwar keinen Preis, aber wenn Sie die Vorstellungen bisher verpasst haben, können Sie den Film ebenfalls noch einmal am letzten Festivaltag um 22 Uhr in Festivalkino 3 sehen.

Ausgabe 13 zum Download

Festivalzeitung — 3. September 2018

Vergangenheit, Zeitgeist, Gegenwart und Zukunft

Beim Filmgespräch mit Regisseur Robert Fischer und Filmemacher Edgar Reitz ging es gestern Abend nicht nur um Vergangenheit, Zeitgeist und Gegenwart, sondern auch um die Zukunft der Medien und insbesondere des Films. „Der Film verlässt das Kino – Vom Kübelkind-Experiment und anderen Utopien“ ist nicht Fischers erste Doku über die Entstehung eines anderen Films – man könnte fast sagen, er hat sich darauf spezialisiert die Filmgeschichte, ihre Protagonisten und außergewöhnliche Werke abseits der Konventionen zu erforschen. Beispielsweise beschäftigte er sich in einem seiner letzten Filme mit der Entstehung von Jacques Rivettes „Out 1“ (1971), der mit seinen 13 Stunden Laufzeit ebenso wenig einen Platz im Kino fand wie Edgard Reitz und Ula Stöckls Kurzfilmreihe „Geschichten vom Kübelkind“ (1969-71). Reitz sieht keinen Zufall darin, dass „Out 1“ und die „Geschichten vom Kübelkind“ ungefähr zur gleichen Zeit entstanden und nun zur gleichen Zeit wieder öffentliches Interesse auf sich ziehen: „Alles passiert parallel, zumindest bei den europäischen Filmemachern. Wir arbeiten alle an demselben Ziel: Der Weiterentwicklung der Filmkunst nach unserem eigenen Verständnis. Der Zeitgeist ist wie ein Kompass, dem wir folgen.“ Nachdem Edgar Reitz Kübelkind-Filme etliche Jahre verschollen waren, fand sich das Filmmaterial bei der Räumung eines seiner Archive und es entstand die Idee zur Restaurierung und Digitalisierung und Fischers Idee zu diesem Film. „Der Film verlässt das Kino“ gewährt auch einen Einblick in die politische Stimmung nach ’68. Die Filmemacher hatten viele Visionen für ihre filmische Zukunft. Sie sahen das Kino als altbackene Branche und in neuen technischen Entwicklungen für sich selbst die Chance die Filmkunst neu zu entdecken. Sie überlegten Alternativen zum Kino und den eingefahrenen Verfahren. So experimentierte Reitz stets mit neuen Formen und Formaten. Er wollte die Möglichkeiten des Mediums ausschöpfen und sich keine Fesseln durch die Filmindustrie anlegen lassen. Auch heute, im digitalen Zeitalter, so Reitz, bietet sich eine Fülle der Möglichkeiten und neue künstlerische Herausforderungen. Seine Forderung an die Zukunft ist daher nach wie vor, das Kino in jeder Hinsicht neu zu erfinden und er ist optimistisch: „Die neuen technischen Möglichkeiten werden Werke hervorbringen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Es bahnen sich Dinge an, die wir nicht ahnen. So wird beispielsweise Virtual Reality in den nächsten Jahren die Welt der kleinen stupiden Brillen verlassen. Es wird neue Allianzen mit dem Publikum geben. Der Film allein bringt die Menschen nicht mehr vor ihre Haustüren. Sie brauchen einen Grund um irgendwo hinzugehen. Wie beispielsweise dieses Festival, das ein Hybrid aus Volksfest und Kino ist. Das ist in meinen Augen nirgends so gut gelungen wie hier in Ludwigshafen.“ „Der Film verlässt das Kino“ ist heute und morgen noch auf dem Festival zu sehen. Eine BluRay-Edition der restaurierten„Geschichten vom Kübelkind“ kündigte Reitz für Dezember diesen Jahres an.

Filmgenuss unter freiem Himmel

Auch wenn es draußen momentan nicht gerade sommerlich ist, ist die Terrasse jeden Abend gut gefüllt und auch das Open Air Kino erfreut sich großer Beliebtheit. Denn Geselligkeit und Kino unter freiem Himmel hat immer eine besondere Atmosphäre. Natürlich hatten wir bisher auch Glück und es hat nur einmal geregnet. Doch selbst da ließen sich einige den Filmgenuss im Freien nicht nehmen. Es gibt wohl tatsächlich kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung oder Einstellung. Wir freuen uns jedenfalls darüber. Und wenn der Wetterbericht sich als wahr erweisen sollte und wir Mitte der Woche noch einmal in den Genuss sommerlicher Temperaturen kommen, schadet dies sicherlich trotzdem nicht.

Ausgabe 12 zum Download

Festivalzeitung — 2. September 2018

Der große Brecht Film

Einen „einzigartigen Film“ nannte ihn Produzent Till Derenbach, als er nach dem Genre gefragt wurde. Ein politischer, polarisierender Film mit Musik und Tanz und verschiedenen Ebenen der Berthold Brecht nicht nur wieder in das Gedächtnis der Gesellschaft rufen, sondern ihn auch wieder populär machen soll. Schauspieler Joachim Król nennt ihn den „großen Brecht-Film auf den wir Jahrzehnte gewartet haben.“ Das hört sich nach ziemlich viel auf einmal an, doch das Konzept von Joachim Langs „Mackie Messer. Brechts Dreigroschenfilm“ scheint aufgegangen zu sein, zumindest wenn man den Applaus des Publikums nach der Filmvorführung heute, das bis auf den letzten Platz besetzte Diskussionszelt und die positiven Rückmeldungen der Zuschauer an Król und Derenbach während des Filmgesprächs so deuten möchte. Regisseur und Drehbuchautor Joachim Lang musste seinen Besuch auf der Parkinsel krankheitsbedingt leider absagen, aber Derenbach und Król lobten seine Arbeit ebenso wie sein Wagnis und seine Ausdauer in hohen Tönen. Zehn Jahre habe sich Lang um die Einholung der Rechte gekümmert und dabei nie aufgehört an sein Werk zu glauben. Neben der politischen Botschaft des Films stand natürlich auch die Musik im Vordergrund, ohne die der Film gar nichts wäre. Neben den bekannten Songs aus der Oper, finden sich auch einige Neukompositionen im Film, die durch das SWR-Sinfonieorchester eingespielt wurden. Gesungen wurden alle Lieder von den SchauspielerInnen selbst. Beim Casting wurde zwar vor allem nach dem schauspielerischen Können ausgewählt und wer gut in die Rolle passe, aber Król meinte: „In der Regel sind in Deutschland gute Schauspieler auch gute Sänger. Zumindest beherrschen sie die Grundlagen, auch wenn dies nicht oft angefragt wird.“ Król nahm sich zur Vorbereitung sicherheitshalber auch noch ein paar Gesangsstunden zur Nachhilfe, aber das Singen machte ihm großen Spaß, auch wenn er in der Rolle dann tatsächlich höher als seine eigene Stimmlage singen musste. Denn nicht nur die Instrumente sollten so klingen wie in der Uraufführung der Oper, sondern auch der Gesang der SchauspielerInnen und es musste sogar attestiert werden, dass es wie Original 1928 klingt. Król lobte außerdem seine Schauspielkollegin Britta Hammelstein: „Das Jenny-Lied kann man nicht besser singen.“

Sympathischer Täter in Uniform – Der Polizist und das Mädchen

Ein scheinbar harmloser Titel und eine Produktion für das öffentlich-rechtliche Fernsehen – da erwartet man als ahnungsloser Zuschauer wohl eher keinen Film, bei dem man mit dem Täter sympathisiert und alles moralische Ansinnen über Bord wirft. Rainer Kaufmann meinte gestern beim Filmgespräch zu „Der Polizist und das Mädchen“: „Das Drehbuch war in jedem Fall sehr gut und hat schon viel vorgegeben.“ Tatsächlich war das Drehbuch das erste des Autors, der den Film, so Kaufmann, treffend als „Heimat Noir“ bezeichnete, denn alle Figuren sind auf eine Art und Weise verletzt und demoliert. Der Drehort liegt zwar in Bayern, doch weist er keine typisch bayrischen Attribute auf, da er erst in der Nachkriegszeit entstand. Kaufmann hat ihn vor allem seiner Skurrilität wegen ausgewählt. Der Ort sollte zugleich klein und heimelig als auch gruselig wirken – so war beispielsweise das neue Haus, in das Polizist Martin Manz mit seiner Frau zieht, ein ehemaliger Bunker, was die seltsame Bauweise erkläre. 

Inhaltlich wichtig, auch für den Zusammenhalt der Geschichte und die Akzeptanz der bedingungslosen Feigheit des Protagonisten, sei vor allem, dass man verstehe warum der Polizist so um den Erhalt seines Glückes kämpft, erklärte Rainer Kaufmann. Vor allem dies versuchte er in seinem Film zu vermitteln und dies ist ihm wohl gelungen. So verglich eine Zuschauerin ihre widersprüchlichen Gefühle beim Schauen des Films mit ihren Erfahrungen mit der Serie „Breaking Bad“. Die Frage warum sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen traut einen sympathischen Mörder zur Leitfigur zu machen, wurde im Filmgespräch nicht beantwortet, Rainer Kaufmann meinte aber, seine eigene Priorität liege nicht in moralischen Belehrungen, sondern im Geschichtenerzählen. Wer seine eigenen moralischen Ansichten mit diesem Film in Frage stellen und überprüfen möchte – der Film ist morgen, Montag, 3. September und übermorgen, Dienstag, 4. September noch auf dem Filmfestival zu sehen.

Ausgabe 11 zum Download

Festivalzeitung — 1. September 2018

Cineastisches Erlebniswochenende auf der Parkinsel — Mit den Stars und Pfälzer Weinschorle am Rheinstrand

Dieses Wochenende ist so einiges geboten auf der Parkinsel. So werden über 80 Gäste zur Premierenfeier von „Level Up Your Life“ auf der Parkinsel erwartet. Der Film gewährt einen kuriosen Einblick in den ganz normalen Wahnsinn des kleinbürgerlichen Alltagslebens und ist bereits der vierte gemeinsam von Stefan Hillebrand und Oliver Paulus realisierte Spielfilm. Neben der Regie sind beide auch für Drehbuch und Produktion des Films verantwortlich. Bekannt für ernste Themen, die sie mit schwarzem Humor kombinieren, arbeitet das Duo mit Improvisationskunst sowohl von SchauspielerInnen als auch von LaiendarstellerInnen und erarbeitet die Szenen gemeinsam mit den DarstellerInnen während des Drehs, was dem Film zu einer lebendigen Frische verhilft.

Rainer Kaufmann, der bereits gestern anreiste, bekommt zum Filmgespräch zu „Mein erster Mord“ Verstärkung: Hauptdarsteller Golo Euler wird ihm heute und morgen nach den Filmvorführungen beim Beantworten Ihrer Fragen zur Seite stehen und wir dürfen beide heute um 16.15 Uhr am Roten Teppich begrüßen. Zu seinem Film „Der Polizist und das Mädchen“ steht Ihnen Rainer Kaufmann heute Abend in Kino 2 natürlich ebenfalls gerne Rede und Antwort.

Egal ob sie „Der Hauptmann“ heute oder morgen sehen oder gestern bereits gesehen haben, die Filmgespräche mit Schauspieler Milan Peschel heute und morgen Nacht sollten Sie sich trotz der späten Stunde nicht entgehen lassen. Falls Sie nicht zu den Nachteulen gehören, können Sie um 19.40 Uhr am Roten Teppich zumindest einen Blick auf Peschel oder vielleicht sogar ein Foto oder Autogramm von ihm erhaschen.

Zum ersten Mal läuft heute auch Joachim Langs „Mackie Messer. Brechts Dreigroschenfilm“ bei uns. Lang selbst kann leider nicht zur Vorführung kommen, aber Schauspieler Joachim Król und Produzent Till Derenbach sind sicherlich würdige Vertreter, die wir gerne heute um 18.15 Uhr an unserem Roten Teppich empfangen. Joachim Król spielt außerdem auch in „Die Auferstehung“ mit und unterstützt seine Schauspielkollegen Leslie Malton und Dominic Raacke und Michael Rotschopf, sowie Regisseur Niki Stein und weitere Mitglieder des Teams morgen Abend beim Filmgespräch.

Dieses Wochenende haben wir auch noch einen ganz besonderen Gast auf der Parkinsel: Er war schon öfter bei uns, aber dieses Mal ist er nicht als Regisseur seines eigenen Filmes auf dem Festival, sondern als Zeitzeuge, Mitunterzeichner des Oberhausener Manifests und Pionier des epischen, filmischen Erzählens wirkt er in Robert Fischers Dokumentarfilm „Der Film verlässt das Kino. Vom Kübelkind-Experiment und anderen Utopien“ mit. Fischers Film erzählt von visionären Filmprojekten von vor 50 Jahren und denkt über die Zukunft der bewegten Bilder nach. Die Rede ist natürlich von Filmemacher Edgar Reitz. Nach den Filmvorführungen haben Sie die Gelegenheit mit Edgar Reitz und Robert Fischer im Diskussionszelt ins Gespräch über die Vergangenheit und die Zukunft des Films zu kommen.

Und zwischen all den Gästen, Roten Teppichen, cineastischen Erlebnissen im Kino und Gesprächen im Diskussionszelt findet sich sicher auch noch Zeit für Kaffee und Kuchen auf der sonnigen Terrasse oder für eine Weinschorle in den Liegestühlen am Rheinstrand.

Nils Nager — Kinderjury

Es wird diskutiert wie bei den Großen: Nina, Nova, Anne, Maxance, Leon, Benjamin und Noah sind die Mitglieder der diesjährigen Kinderjury. Am 9. September 2018 wird der Nils-Nager-Preis an den Film verliehen, den die sieben auswählen. Die 10- bis 12-jährigen sind natürlich alle Profis im Filmeschauen, Noah ist dieses Jahr sogar schon zum zweiten Mal dabei. Auf die Teilnahme an der Jury sind sie über den Aufruf in der Rheinpfalz gestoßen oder haben sie von Freunden empfohlen bekommen. „Ich war letztes Jahr schon auf der Preisverleihung und war so begeistert, dass ich unbedingt auch einmal mitmachen wollte“, erzählt Anne. Mit Fragebogen bewaffnet sehen sich die sieben alle Kinderfilme des diesjährigen Programms an.  Nach jedem Film gibt es eine Jurysitzung, bei der die Ergebnisse zusammengetragen werden. Was einen guten Film für unsere Jury ausmacht? Lustig und spannend und mit guten SchauspielerInnen besetzt soll er sein. Nova mag es, wenn das Ende nicht zu vorhersehbar ist und für Maxance darf „ein bisschen Action“ nicht fehlen. Außerdem mag er es, mit den Filmen in andere Kulturen einzutauchen. Vier Filme hat die Jury schon gesehen, morgen folgen noch „Luis und die Aliens“ und „Fünf Freunde“. 

Ob es denn schon einen geheimen Favoriten gibt?
„Ja! Den dürfen wir euch aber noch nicht verraten.“

Ausgabe 10 zum Download

Festivalzeitung — 31. August 2018

Täglich grüßt das Murmeltier

Mehr hätten wirklich nicht auf die Diskussionsbühne gepasst gestern Abend, beim Filmgespräch zur Filmpremiere von „Murot und das Murmeltier“. Und auch im Zelt waren die Stühle bis hin zur letzten Reihe besetzt. Dietrich Brüggemann, sein Schauspielensemble und Redakteur Jörg Himstedt hatten sichtlich Spaß beim Beantworten der Fragen des Publikums und schwärmten von der Filmvorstellung. Schauspielerin Barbara Philipp war verblüfft: „Das Publikum war so bereit mitzugehen, das hat mich sehr erstaunt wie viel schon am Anfang gelacht wurde. Es ist ja auch lustig, aber ich dachte manchmal, dass Publikum weiß schon mehr als wir.“ Inhaltlich geht es um einen Banküberfall, der sich im Leben des Kommissars Murot sowie in dem des Täters stetig wiederholt. „Es gibt zwar viele Zeitschleifenfilme“, so Brüggemann: „aber zwei Leute in derselben Zeitschleife, das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal.“ Ein leerstehender Schleckermarkt diente als Drehort und wurde zur verwinkelten Bankfiliale umgebaut. Durch die stetigen Wiederholungen der Szene in abgewandelter Form war der Dreh für alle Beteiligen etwas Besonderes. Schauspielerin Anna Brüggemann meinte: „Der Dreh war eine Karikatur unseres Berufs: Statt fünf Mal dasselbe zu tun, machten wir einfach 50 Mal dasselbe.“ Ihr Bruder, Dietrich Brüggemann, der sich neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, erklärte sein Konzept zum Film damit, dass er den „Tatort“ grundsätzlich mit dem deutschen Alltag verbinde. Sein „Tatort“ sei vielleicht unkonventionell, aber er empfinde ihn trotzdem als Alltagsallegorie und meinte scherzhaft: „Man kommt jeden Tag wo hin, sieht die gleichen Leute und will alle erschießen – Das ist doch Alltag in Deutschland. Das ganze Leben ist eine Wiederholungsschleife.“ Doch Brüggemann ist mit seinem Tatort kein Einzeltäter, denn die HR-Tatorte sind bekannt für Ihren Bruch mit der Konventionalität. So zeigten wir auf der Parkinsel unter anderem bereits die außergewöhnlichen HR-Tatorte: „Im Schmerz geboren“ und „Wer bin ich?“ mit Ulrich Tukur. Himstedt antwortete auf die Frage aus dem Publikum, ob das HR-Konzept nicht zu einem Originalitätswahn führe, in dem man sich irgendwann immer versuche selbst zu übertreffen: „Die Grundverabredung mit Tukur ist, dass wir keine normalen Bilder drehen und er keinen normalen Kommissar spielt. Wir verfallen deshalb aber keinem Wahn, sondern bewegen uns dabei nur außerhalb der normalen Tatortkonventionen. Um Ideen, müssen wir uns keine Sorgen machen, denn es gibt genug wahnsinnige Autoren, die sich auf die Gelegenheit freuen, etwas abseits der Norm machen zu dürfen.” Anna Brüggemann ergänzte: „Ist es nicht schwerer etwas Normales zu schaffen, als frei arbeiten zu dürfen?“ Besonders begeistert zeigte sich Brüggemann von seiner Zusammenarbeit mit dem HR-Sinfonieorchester, für das er selbst die Filmmusik komponierte: „Das war wie im Schlaraffenland für mich – die Chance meines Lebens! Schon allein das wäre ein Grund für mich, wieder einen Film für den HR zu machen.“, schwärmte er. „Murot und das Murmeltier“ ist unter anderem noch heute Abend um 21 Uhr in Festivalkino 1 zu sehen.

Selfie – Gewinnspiel

Unsere Logowand ist in diesem Jahr das meist fotografierte Motiv des Festivals. Nicht nur die Filmgäste, wie hier auf dem abgedruckten Foto, sondern auch die BesucherInnen haben sich bereits reihenweise dort fotografiert und die Erinnerung an den Tag auf der Parkinsel festgehalten. Haben auch Sie sich schon dort geknipst? 

Unter allen, die uns ihr Foto* via Facebook oder E-Mail an presse@fflu.de zuschicken, verlosen wir 3x2 Tickets für die Verleihung des Regiepreises Ludwigshafen an Hans Weingartner und der anschließenden Filmvorführung von 303! 

Einsendeschluss ist der 5. September 2018!

Ausgabe 9 zum Download

*bei Zusendung wird der Veröffentlichung zugestimmt

Festivalzeitung — 30. August 2018

Spannende Filme und rekordverdächtige Anzahl an Filmgästen

Heute und auch das ganze Wochenende wird es auf der Parkinsel nur so wimmeln vor RegisseurInnen, SchauspielerInnen und sonstigen Filmschaffenden. Gleich drei HR-Eigenproduktionen feiern ihre Premiere bei uns und um diese gebührend zu feiern, reist zu allen Filmen fast das gesamte Filmteam an. Heute dürfen wir uns auf das Team um Regisseur Dietrich Brüggemann von „Murot und das Murmeltier“ freuen und morgen treffen die Filmschaffenden zu „Der Turm“ und „Frankfurt, Dezember 17“ ein. Aber nicht nur der HR ist als Fernsehsender bei uns vertreten, sondern auch der SWR mit der Eigenproduktion „Der Mann der lügt“, zu dem ebenfalls das Team inklusive Richy Müller, der den Tatort-Ermittler Thorsten Lannert spielt, anwesend sein wird. Überhaupt wird es aufregend in den Festivalkinos und auf der Diskussionsbühne in den nächsten Tagen: Der vom ZDF verantwortete Psychothriller „Jenseits der Angst“ feiert heute ebenfalls bei uns Premiere und Thorsten Näter, der sich für Regie und Buch verantwortlich zeichnet, sowie Schauspieler Moritz Grove kommen zu Besuch. Sie können heute nach der Filmvorstellung von „Rewind. Die zweite Chance“ außerdem mit Regisseur und Drehbuchautor Johannes F. Sievert über das Zeitreisen philosophieren und diskutieren oder sich mit Rainer Kaufmann morgen über seine beiden Filme „Der Polizist und das Mädchen“ und „Mein erster Mord“ (Schwartz & Schwartz), die ganz sicher nicht zu den konventionellen Krimis zählen, unterhalten. Spannung und Nervenkitzel sind garantiert. 

Wem der Alltag selbst schon spannend genug ist, kann sich heute Abend auf die schwarze Komödie „Der Nesthocker“  freuen, zu dem unter anderem die Schauspieler Francis Fulton-Smith und Carin C. Tietze anwesend sein werden und gerne mit Ihnen im Diskussionszelt ins Gespräch kommen.

Rewind. Die zweite Chance – Johannes F. Sieverts Spielfilmdebüt

Wer wünscht sie sich nicht immer wieder mal im Leben – die zweite Chance? Jeden Tag müssen wir Entscheidungen treffen und wissen dabei oft nicht, welches die richtige ist, wie wichtig eine einzelne kleine Entscheidung sein kann und wie sich diese auswirken wird. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass wir dies nicht wissen. Doch in Johannes F. Sieverts Spielfilmdebüt „Rewind“ gibt es sie: die zweite Chance, die Möglichkeit des Zurückspulens. Der Film, der zunächst wie ein Krimi beginnt, driftet durch die Ermittlungen zu einem ungewöhnlichen Mordfall in einen Science-Fiction-Film ab. Ein mutiger Schritt Sieverts in Richtung Genrefilm, denn er wusste auf was er sich damit einlässt: In den letzten Jahren war er nämlich mit den Dokumentationen „Verfluchte Liebe deutscher Film“ (2016) und „Offene Wunde deutscher Film“ (2017), bei denen er gemeinsam mit Dominik Graf Regie führte und die vom Verlust und der Unsichtbarkeit des deutschen Genrekinos handeln, bei uns auf der Parkinsel vertreten. Heute wird Sievert persönlich anwesend sein und sich nach dem Film Ihren Fragen stellen.

FESTIVAL-LIEBLINGSFILM: ENDLICH WITWER

Am Sonntag, den 9. September 2018 um 22 Uhr wird in Kino 3 eine weitere Filmvorführung zu „Endlich Witwer” 3,01vorgefürt . Ab sofort können Sie Tickets an den Vorverkaufsstellen, online unter fflu.de und an den Kinokassen hier auf dem Festivalgelände erwerben.

Wer wünscht sie sich nicht immer wieder mal im Leben – die zweite Chance? Jeden Tag müssen wir Entscheidungen treffen und wissen dabei oft nicht, welches die richtige ist, wie wichtig eine einzelne kleine Entscheidung sein kann und wie sich diese auswirken wird. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass wir dies nicht wissen. Doch in Johannes F. Sieverts Spielfilmdebüt „Rewind“ gibt es sie: die zweite Chance, die Möglichkeit des Zurückspulens. Der Film, der zunächst wie ein Krimi beginnt, driftet durch die Ermittlungen zu einem ungewöhnlichen Mordfall in einen Science-Fiction-Film ab. Ein mutiger Schritt Sieverts in Richtung Genrefilm, denn er wusste auf was er sich damit einlässt: In den letzten Jahren war er nämlich mit den Dokumentationen „Verfluchte Liebe deutscher Film“ (2016) und „Offene Wunde deutscher Film“ (2017), bei denen er gemeinsam mit Dominik Graf Regie führte und die vom Verlust und der Unsichtbarkeit des deutschen Genrekinos handeln, bei uns auf der Parkinsel vertreten. Heute wird Sievert persönlich anwesend sein und sich nach dem Film Ihren Fragen stellen.

Ausgabe 8 zum Download

Festivalzeitung — 29. August 2018

„Murot und das Murmeltier“ feiert Premiere

Um die Premiere von „Murot und das Murmeltier“ gebührend zu feiern, reist fast das gesamte Filmteam zu uns auf die Parkinsel. Die Liste der Gäste ist lang. Dietrich Brüggemann, der sich für Regie, Drehbuch und Musik im Film verantwortlich zeichnet, wird fast von seinem kompletten Schauspielensemble begleitet, darunter auch Barbara Philipp und seine Schwester Anna Brüggemann. Begrüßen können wir das Team um 19.15 Uhr am Roten Teppich. Alle werden sie wohl nicht auf die Diskussionsbühne passen, aber Dietrich Brüggemann und eine Delegation des Teams werden sich morgen nach dem Film, um 21:50 Uhr, Ihren Fragen zum Film stellen.

Geschichte trifft Familiengeschichte – Schlöndorff und von Trotta als „Sympathisanten“

Familiengeschichte trifft deutsche Geschichte: Dr. Felix Moeller geht in seinem Film „Sympathisanten. Unser Deutscher Herbst“ den sogenannten Sympathisanten der RAF in den 1970er Jahren nach, erforscht mögliche Motive der Sympathien und hinterfragt kritisch den Begriff an sich und auch die Rolle des Staates und der Medien. Das spannende dabei: Seine eigene Geschichte steht hier im Fokus. Sein Stiefvater Volker Schlöndorff und seine Mutter Margarethe von Trotta, beide selbst erfolgreiche Filmschaffende, kommen als Zeitzeugen zu Wort. Die Tagebücher von Margarethe von Trotta dienen dem Film als roter Faden. Beide wurden damals zu den Sympathisanten gezählt und ihnen wurde, wie anderen Kulturschaffenden auch, öffentlich unterstellt, die RAF zu unterstützen. Auch die anderen Interviewpartner wie Marius Müller-Westernhagen oder Daniel Cohn-Bendit sind Regisseur Moeller seit Kindertagen vertraut. Im Filmgespräch verriet er gestern weitere Details aus seiner Kindheit und Gesprächen mit seiner Mutter, die aus privaten Gründen im Film nicht erwähnt werden. Amelie Latscha, Produzentin, erzählte ebenfalls von ihrer persönlichen Verbindung zur Zeit und dem Film. Heute Abend um 18:30 Uhr haben Sie noch einmal die Möglichkeit den Film in Festivalkino 3 zu sehen. 

„Gabelstapler fahren ist sackschwer“ – Großmarktfeeling auf der Parkinsel

Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stuber und Schauspieler Peter Kurth waren gestern, zusammen mit Redakteur Jörg Himstedt vom Hessischen Rundfunk, bei uns auf der Parkinsel zu Gast und redeten im Filmgespräch über ihre Zusammenarbeit, die sich schon in der Vergangenheit bewährte und über die sie alle sehr glücklich sind. Doch der Dreh von „In den Gängen“ bereitete zunächst einige Schwierigkeiten: So fanden 20 von 30 Drehtagen in einem echten Großmarkt statt, in dem nur zwischen 20 und 6 Uhr morgens gedreht werden konnte. Peter Kurth erzählte, dass er vor dem Dreh zur Vorbereitung auf seine Rolle auch im regulären Marktbetrieb in allen Bereichen mitlief, um die Arbeit im Großmarkt kennenzulernen. Zu seiner Rolle meinte er: „Gabelstapler fahren ist sackschwer, aber ich hab’s gemeistert.“ Zusammen mit Franz Rogowski, Sandra Hüller und Regisseur Thomas Stuber, machte Kurth sogar den Staplerführerschein. Stuber meinte: „Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich jeder mit dem Stapler umging. Franz war gar nicht mehr vom Stapler runterzubekommen.“ „In den Gängen“ ist eine Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte aus der Erzählsammlung „Die Nacht, die Lichter“. Der Autor, Clemens Meyer, verfasste gemeinsam mit Regisseur Thomas Stuber das Drehbuch zum Film, das 2015 mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde. Stubers Ziel war es, die Poesie der Kurzgeschichte in den Film mitzunehmen. Gemeinsam mit Meyer verfasste Stuber auch das Drehbuch zu „Herbert“, der 2016 bei uns auf der Parkinsel lief und in dem Peter Kurth die Hauptrolle spielte. „Meyers Geschichten kommen von unten und strahlen dann in den Himmel“, schwärmte Peter Kurth. Stuber selbst bezeichnete seine Filme als Kino der Einsamen und Verlorenen: „Sie beinhalten Traurigkeit, aber immer auch einen Lichtschein, Hoffnung und die Suche nach dem Glück.“ Redakteur Himstedt gefiel an Drehbuch und Film, dass sich die Figuren von innen heraus entwickeln und immer wieder neu behaupten müssen. Stuber meinte: „Ich will mein Publikum einladen, Antworten für sich selbst zu finden. Ich wünsche mir einen mündigen, mitdenkenden Zuschauer.“ Gelegenheit zum selbst sehen und mitdenken haben sie noch einmal am Donnerstag, den 30. August, um 18 Uhr in Festivalkino 1.

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Festivalzeitung — 28. August 2018

Modedesigner Moshammer zum Leben erweckt

Heute läuft zum ersten Mal die Gesellschaftssatire „Der große Rudolph“ bei uns auf der Parkinsel. Im Mittelpunkt des Films steht ein schon fast vergessener Charakter: Rudolph Moshammer – der große Modemacher, mit dem die meisten nur noch die Schlagzeilen um seine Ermordung 2005 und seinen Hund Daisy verbinden. Obwohl die Geschichte, die der Film erzählt, frei erfunden und nur lose an Moshammers Leben angelehnt ist, wirkt sie äußerst authentisch und ist vor allem sehr vergnüglich. Die Freundschaft zwischen der jungen Verkäuferin Evi und dem großen Modedesigner Rudolph erwärmt das Herz und beide Rollen sind wunderbar glaubhaft besetzt mit Thomas Schmauser und Lena Urzendowsky. Regisseur Alexander Adolph und Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky dürfen wir heute um 18.15 Uhr am Roten Teppich begrüßen. Nach ihrer Filmvorstellung beantworten die beiden heute und morgen im Diskussionszelt auch gerne ihren Fragen zum Film. 

Mitternachtsgespräch mit Richy Müller

Seine Überraschung am zweiten Festivaltag ist ihm geglückt: Zur Premiere „Von schöne heile Welt“ erwartete er seine Filmkollegen bereits am Roten Teppich als diese aus dem Auto stiegen – und die staunten nicht schlecht. Auch die Festivalbesucher freuten sich über Müllers spontanen Besuch. Falls sie nicht dabei sein konnten, haben Sie heute um Mitternacht nach der Vorstellung von „Schöne heile Welt“ noch einmal die Gelegenheit mit Richy Müller im Diskussionszelt ins Gespräch zu kommen.

Wer wollen wir sein? Wo wollen wir hin?

Schauspielerin Susanne Wolff spielt dieses Jahr gleich in zwei sehr brisanten und politischen, aber auch sehr unterschiedlichen Filmen die Hauptrolle. Im Filmgespräch zu „Styx“ gestern erzählten Susanne Wolff, Regisseur Wolfgang Fischer und Produzent Marcos Kantis von den zweimonatigen Dreharbeiten. Tatsächlich wurden 90% der Szenen auf einem Boot bei Malta gedreht, auch die Sturmszenen. Wolff besitzt einen Segelschein und auch der Rest des Teams war nach seiner Wasseraffinität ausgewählt. Trotzdem wurden alle früher oder später seekrank. Der Verzicht aufs Studio hat sich cineastisch gelohnt und gab dem Team viel Freiheit. Gleichzeitig, so erzählte Fischer, führte es zu einer bizarren Parallelität: die Rettungskräfte und Soldaten im Film sind „echt“, die Menschen auf dem havarierten Boot haben eine Fluchtgeschichte und nebenan im Hafen lagen die Schiffe der NGOs, die täglich zur Seenotrettung ausliefen. Der Film ist wahnsinnig aktuell, auch wenn am Drehbuch bereits vor 9 Jahren gearbeitet wurde. „Styx“ ist unter anderem für den Lux Filmpreis des Europäischen Parlaments nominiert - vielleicht kann er so zu Diskussion und Veränderungen darüber anregen, wer wir sein sollten und wo wir hin wollen. 

Mit Regisseurin Nana Neul und Drehbuchautorin Kristl Philippi stellte sich Susanne Wolff gestern auch den Fragen des Publikums zu dem Film „Unser Kind“, der nicht weniger aktuell ist: Protagonistin Ellen kämpft nach dem Tod ihrer Ehefrau um das Sorgerecht ihres Babys. Bei diesem Kampf stehen sich drei Paare mit konträren Interessen gegenüber und es zeigt sich, dass trotz „Ehe für alle“, homosexuelle Familien juristisch noch lange nicht gleichberechtigt sind. Drehbuchautorin Kristl Philippi hat für das Drehbuch, das ihr erstes ist, viel recherchiert und sich von Geschichten aus ihrem Bekanntenkreis inspirieren lassen. Die Herausforderung für Schauspielerin Wolff war es, in diesem „Manifestfilm“ nicht an der Auffächerung ihrer Figur zu arbeiten, sondern sich ganz in den Dienst der Geschichte zu stellen. Dies gelang ihr ganz wunderbar. „Styx“ und „Unser Kind“ können beide heute und noch einmal Ende dieser Woche auf dem Filmfestival gesehen werden.

Ausgabe 6 zum Download

Festivalzeitung — 26. August 2018

Preisgala für Iris Berben

Gestern Abend wurde die Schauspielerin und Präsidentin der deutschen Filmakademie Iris Berben der „Preis für Schauspielkunst“ im Rahmen des 14. Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein verliehen. Die Preisverleihung fand vor über 2.400 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur – darunter Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft – statt. Im Anschluss wurde der Film „Hanne“ von Regisseur Dominik Graf gezeigt. Iris Berben war begeistert von der einzigartigen Atmosphäre auf der Parkinsel. „Höllengut“ sei das Festival, so etwas habe sie noch nicht erlebt. Und sie nutzte die Bühne für ein kraftvolles Statement für die Freiheit der Kunst und Demokratie.

„Film – eine von zahlreichen Kunstformen – Filmkultur eines jeden Landes gehört unterstützt und geschützt. Kultur ist stark. Kultur ist zart. Sie ist Ausdruck von Gefühlen. Werten, von Erfahrungen und von Wissen. Sie öffnet uns verschiedene Welten. Unbekanntes Land, das wir ohne sie vielleicht nie betreten hätten. Kultur hilft neugierig, offen und wach zu bleiben. Politischer Machtmissbrauch jedoch gehört zu oft und in vielen Ländern immer noch, oder plötzlich wieder, zur Tagesordnung. Dagegen müssen wir uns wehren“, so Iris Berben in ihrer Dankesrede.

„Iris Berben ist ein Star. Ihren Namen kennt in diesem Land nahezu jeder. Seit 50 Jahren steht sie vor der Kamera und sie steht es heute noch. Etwas, das leider nur ganz wenige Schauspielerinnen von sich sagen können, egal, wie gut sie sein mögen. Iris Berben hat es geschafft, wie nur eine Handvoll anderer Schauspieler und Schauspielerinnen in diesem Land, eine Art lebendes Markenzeichen zu sein, Markenzeichen für Integrität, für Haltung, Charakter und Selbstwertgefühl, jenseits von Arroganz aber auch von jeder Form der einfachen Benützbarkeit.“

(Auszug aus der Laudatio von Dr. Michael Kötz, Festivaldirektor)

Dieses Jahr gleich in zwei Filmen – Susanne Wolff auf der Parkinsel

Heute laufen sie bereits in Anwesenheit der Regisseure – „Unser Kind“ von Nana Neul und „Styx“ von Wolfgang Fischer. Morgen, den 27. August, dürfen wir um 17:30 Uhr die Hauptdarstellerin beider Filme, Susanne Wolff, bei uns begrüßen. Die beiden Filme sind nicht die ersten mit Susanne Wolff, die wir auf dem Festival des deutschen Films zeigen. Trotz ihrer langjährigen Schauspielengagements an verschiedenen Theatern – zuletzt am Deutschen Theater Berlin, dessen Ensemble sie bis 2016 angehörte – spielte sie in den letzten 15 Jahren auch in vielen TV- und Kinofilmen. Ihr Leinwanddebüt hatte Wolff in Jan Georg Schüttes Film „Swinger Club“, den wir 2006 auf dem zweiten Festival des deutschen Films zeigten. Diesem folgten einige weitere Filme mit Wolff zur Vorführung auf der Parkinsel – unter anderem „Fenster zum Sommer“ (2012) von Hendrik Handloegten, „Über-Ich und Du“ (2014) von Benjamin Heisenberg und im letzten Jahr Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“.

 

Freudige vs. Tödliche Heimkehr

Für sie ist es fast schon ein Heimspiel: Wir freuen uns, auch in diesem Jahr das Team um Hauptdarsteller Christian Redl auf der Parkinsel begrüßen zu können. Zusammen mit Regisseur Jan Fehse, Schauspieler Matthias Lier, dem Produzent Wolfgang Esser und Redakteur Pit Rampelt vom ZDF wird Redl heute den neuesten Fall des Spreewaldkrimis vorstellen und danach mit dem Publikum ins Gespräch kommen. In „Tödliche Heimkehr“ versucht der Kommissar aus dem Spreewald einen rätselhaften Mord aufzuklären und nebenbei auch noch Klarheit ins eigene Gefühlschaos zu bringen. Wir sind gespannt. Wer sonntags keine Lust auf Krimis hat, hat auch morgen noch die Gelegenheit, den Film in Anwesenheit des Filmteams zu sehen.

Ausgabe 5 zum Download

 

Festivalzeitung — 25. August 2018

Preis für Schauspielkunst für Iris Berben

Mit Iris Berben zeichnet das Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein eine der großartigsten Schauspielerinnen Deutschlands aus. Festivaldirektor Dr. Michael Kötz beschreibt sie als „herausragende Persönlichkeit der Schauspielkunst“. Der Preis wird heute um 19:00 Uhr im Rahmen einer Galavorführung parallel in den Festivalkinos 1 und 2 verliehen. Bereits um 18 Uhr begrüßen wir Frau Berben am Roten Teppich! Im Anschluss findet ein öffentliches Publikumsgespräch mit Iris Berben in unserem Diskussionszelt am Rhein statt.

Die Stimme der Stummen

Ali Soozandeh, Regisseur und Drehbuchautor von „Teheran Tabu“, im Iran geboren und aufgewachsen, lebt seit 1995 in Deutschland und ist seither nie wieder im Iran gewesen. Dennoch lassen ihn seine Wurzeln nicht los. Sein Spielfilmdebüt entstand aus einer Mischung eigener Erfahrungen mit denen anderer. So führte er viele Gespräche mit IranerInnen und ExiliranerInnen und stützt sich auch auf Erzählungen aus Videoclips und Internetblogs. Mit seinem Film wollte er sich vor allem auf „den vergessenen Teil der Gesellschaft“, wie er es nennt, konzentrieren. Auf diejenigen, die keine Stimme haben, die zwar laut schreien können, aber denen trotzdem niemand Beachtung schenkt. Ihm war vor allem wichtig zu zeigen, dass die tiefliegenden Probleme nicht nur durch die Repressionen des Regimes entstehen, sondern erst durch die Gesellschaft, die von Doppelmoral zerfressen ist, Realität werden. Korruption und Lügen gehören zum Alltag und Soozandeh findet es bedenklich, wie viel Energie die Iraner aufwenden um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Er meint: „Die Doppelmoral bringt die Gesellschaft in die falsche Richtung, denn der langfristige Druck macht alle Menschen kaputt.“ Als Versinnbildlichung des janusköpfigen Daseins der Iraner, wählt Soozandeh in seinem Film ein Fotostudio in dem immer wieder für verschiedene Anlässe Passfotos gemacht werden und je nach Anlass ein anderer Hintergrund und Ausdruck gewählt wird. Da er keine Drehgenehmigung in Teheran bekam, er die Stadt und ihr Ambiente aber als essentiell für seinen Film empfand, entscheid er sich für das Rotoskopie-Verfahren in Kombination mit Animation. Er drehte mit realen SchauspielerInnen vor dem Green Screen, legte animierten Hintergrund dahinter und zeichnete dann die gespielten Szenen exakt nach. Auf viele iranische SchauspielerInnen musste er jedoch verzichten, da eine Mitwirkung in seinem Film für viele, die in den Iran zurückkehren wollten, zu gefährlich gewesen wäre. Sein Vorgehen empfehle er niemanden, sofern es nicht dringend sein müsse, da sich diese Technik sehr zeit- und somit auch kostenintensiv gestalte. Wer „Teheran Tabu“ noch nicht sehen konnte, hat heute um 16 Uhr und morgen, Sonntag 26.8., um 13 Uhr noch einmal die Gelegenheit, den Film hier auf der Parkinsel in Anwesenheit des Regisseurs zu sehen.

Esther Zimmering

Schauspielerin, Filmemacherin, Autorin und Jurymitglied

Esther Zimmering gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen und arbeitet regelmäßig mit renommierten Regisseuren für Film und Fernsehen. Wir zeigen dieses Jahr ihr Regiedebüt „Swimmingpool am Golan“ auf der Parkinsel, der gestern zum ersten Mal bei uns lief. Für diesen sehr persönlichen Dokumentarfilm schrieb Zimmering auch selbst das Drehbuch und recherchierte und filmte über mehrere Jahre hinweg. Mit dem Film sucht sie nach der Utopie vom besseren Leben und deckt dabei politisch brisante Lücken in den Legenden ihrer eigenen Familie in Israel und Deutschland auf. Bei allem Ernst der Lebensgeschichten, an denen sie uns hochemotional teilnehmen lässt, verzichtet der Film nicht auf heitere Momente. Ihr Film läuft bei uns natürlich außer Konkurrenz, denn Esther Zimmering ist gleichzeitig Mitglied der diesjährigen Jury, die über den Gewinner des Filmkunstpreises entscheidet. Die Preisverleihung findet am Samstag, den 8. September, in Festivalkino 1 statt.

Ausgabe 4 zum Download

Festivalzeitung — 24. August 2018

Iris Berben kommt morgen auf die Parkinsel – Preis für Schauspielkunst 2018

Morgen, Samstag, den 25. August, ist es so weit: Iris Berben kommt auf die Parkinsel! Bereits um 18 Uhr dürfen wir sie auf dem Roten Teppich begrüßen. Der Preis für Schauspielkunst an Iris Berben wird um 19 Uhr im Rahmen einer Galavorführung des Filmes „Hanne“ von Dominik Graf parallel in den Festivalkinos 1 und 2 verliehen. „Hanne“ ist Iris Berbens erste Zusammenarbeit mit Regisseur Dominik Graf. Im Film spielt sie „Hanne“, die Grand Dame des Büros, die in den Ruhestand verabschiedet wird – und glaubt, ihr Leben sei ohnehin vorbei. Eine vorläufige ärztliche Diagnose ist schuld. Und so startet sie den Versuch das Leben an einem letzten Wochenende feiern.

Dr. Michael Kötz beschreibt Iris Berben als „herausragende Persönlichkeit der Schauspielkunst“ und meint: „Sie gehört nicht nur zu den bekanntesten, sondern vor allem auch zu den beliebtesten deutschen Schauspielerinnen.“ Damit hat der Festivaldirektor wohl Recht, denn die Tickets für diese Veranstaltung waren in Rekordzeit ausverkauft. Falls sie keine mehr ergattern konnten, gibt es aber kein Grund enttäuscht zu sein: Zu „Hanne“ gibt es noch drei weitere Vorstellungen auf dem Festival des deutschen Films und Iris Berben können sie morgen trotzdem hautnah erleben – im Anschluss an die Preisverleihung im öffentlichen Publikumsgespräch im Diskussionszelt am Rhein.

Wichtige Rolle in gleich drei Filmen des Festivals

Heute dürfen wir sie um 18 Uhr auf dem Roten Teppich begrüßen die Schauspierlerin Emma Bading. Mit ihren 20 Jahren hat die Newcomerin schon einige Bekanntheit erlangt und spielt dieses Jahr in gleich drei Filmen des Festivals eine wichtige Rolle. Konkurrenz macht ihr mit dieser Anzahl da wohl nur der Schauspieler Johann von Bülow, der in „Rufmord“, „Damian“ und „Herr und Frau Bulle“ vertreten ist und voraussichtlich Anfang September zu uns auf die Parkinsel kommt. Filme mit Emma Bading werden heute gleich zwei gezeigt: „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ von Florian Gallenberger und „1000 Arten Regen zu beschreiben“ von Isa Prahl. Bading bleibt gleich das ganze Wochenende bei uns auf dem Festival und auch Gallenberger und Prahl lassen sich die Gelegenheit für einen Besuch auf der Parkinsel heute natürlich nicht nehmen. Wir freuen uns schon auf unsere Gäste. Wer Gefallen an findet an Emma Badings Spiel, kann sie dann auch nochmal auf der Leinwand sehen, im Film „In My Room“, der ab nächsten Dienstag, 28. August, bei uns läuft.

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Festivalzeitung — 23. August 2018

Eröffnung des Salon — Internationaler Film

Morgens gehört die Insel den Kindern...

Heute Morgen herrschte auf der Parkinsel buntes Treiben. Das morgendliche Publikum bildet nämlich den Gegenpol zu den spätabendlichen FestivalbesucherInnen, die gemütlich bei einem Glas Wein am Rhein den Tag ausklingen lassen. Auf dem Weg zu Festivalkino 1 wurde gelacht, gehüpft, gesprungen und gesungen, bis um 10 Uhr mit einer Realverfilmung des beliebten Kinderbuchklassikers „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ das Kinderprogramm des Festivals startete. Ab heute wird dann täglich ein Film für unser jüngstes Publikum gezeigt und am Wochenende sogar zwei.

Spielfreude und Leichtigkeit

Gutgelaunt erzählte das Filmteam um Regisseurin Kerstin Polte, welche Schwierigkeiten der Dreh mit ihrem „Traumcast“ so mit sich brachte. So wie der Film vor Leichtigkeit und Spielfreude sprüht, so wirkt auch das angereiste Team im Filmgespräch. Sie erzählten Horrorgeschichten von abgetrennten Fingern beim Dreh und wie Corinna Harfouch als gelernte Krankenschwester erste Hilfe leistete.  Das Publikum erfuhr mit wem Meret Becker immer schon mal knutschen wollte und dass die Leichtigkeit, die Dialoge und der Witz, minutiös von Regisseurin und Drehbuchautorin Polte geplant wurden. Es sei harte Arbeit gewesen, kommentierte Becker: Arbeit, die sich gelohnt hat. Eingefangen hat die Momente Kamerafrau Anina Gmuer, die schon öfter mit Polte zusammenarbeitete. Produzent Jonas Katzenstein schwärmte von Polte als wahnsinnig toller Autorin und erzählte, dass sie mit den über 30 Drehbuchversionen auch einen 46 Stunden Film hätten machen können, da sie nur so vor Ideen sprühe. Mit ihrem Spielfilmdebüt wollte die Regisseurin Neues ausprobieren und zum Träumen anregen. Und fast nebenher hat sie tolle Rollen für ihre Protagonistinnen geschaffen.

Landrauschen

Ein Heimatfilm der anderen Art

Idyllisches Leben auf dem Land: alles läuft in ruhigeren Bahnen, man ist schnell in der Natur und jeder kennt jeden. Doch der Traum vom Landleben kann für manche auch zum Albtraum werden. Viele junge Erwachsene, die das erste Mal die Luft der großen weiten Welt geschnuppert haben und dann in die Gefilde der Kindheit zurückkehren, fühlen sich oft wie in einem unsichtbaren Gefängnis, das sie nicht atmen lässt. So fühlt sich zumindest Toni, die Protagonistin in „Landrauschen“, als sie nach ihrer Studienzeit in Berlin zurück in ihre altes Heimatdorf und ihr Elternhaus zieht. Schnell merkt sie, dass sie sich gar nicht mehr in die dörfliche Gemeinschaft und das Leben ihrer Eltern einfühlen kann. Bis sie auf ihre Jugendfreundin Rosa trifft, die die gemeinsame Heimat nie verlassen hat ... Ein Film über Heimat und Entfremdung, über Freundschaft, Liebe und Verwirrung und die Suche nach der eigenen Identität. Heute Abend dürfen wir um 20 Uhr die Hauptdarstellerinnen Kathi Wolf und Nadine Sauter am Roten Teppich begrüßen. 

Falls Sie es heute leider nicht schaffen, haben Sie bis einschließlich Sonntag, 26. August, die Möglichkeit den Film noch täglich auf dem Festival sehen. Wir freuen uns auch auf den Besuch von Lisa Miller am Samstag, 25. August, die sich nicht nur für die Regie verantwortlich zeichnet, sondern auch für Drehbuch, Filmschnitt und Produktion.

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Festivalzeitung — 22. August 2018

Eröffnung des 14. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein

Der Startschuss zum 14. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein

Heute um 19 Uhr eröffnet das Festival  mit einer Galavorführung parallel in gleich zwei ausverkauften Kinozelten vor 2.500 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur sowie kinobegeistertem Inselpublikum mit der tief humanen deutschen Komödie „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“. Natürlich darf dabei auch das Filmteam nicht fehlen. Und so können wir bereits um 17.45 Uhr unter anderem die Regisseurin und Drehbuchautorin Kerstin Polte und die Schauspielerinnen Meret Becker und Annalee Ranft am roten Teppich begrüßen. „Der Eröffnungsfilm ist durchaus programmatisch, denn er ist fantasievoll und voller Humor, wunderbar magisch und dabei trotzdem tiefsinnig. Das ist genau die Mischung, die unser Publikum liebt“, begründet Festivaldirektor Dr. Michael Kötz seine Wahl des Erföffnungsfilms. Der Film feiert das Leben, das so zerbrechlich ist, und führt uns in großartigen Bildern, vollgepackt mit Atmosphäre, hinaus aus der allzu realen Stadt in die freie, luftige Natur und ans Meer mit dem großen Himmel. Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? Und den Tod? Ich, sagt Gott, der Hörster heißt, am Strand. Er hat eine To-Do-Liste an seine Tür geklebt und wenn er keine Depressionen hat, fühlt er sich einsam. Doch das Leben sei keine Frage der Zeit, sondern wird in Atemzügen gemessen. Wer keine Karten mehr für den beliebten Eröffnungsabend ergattern konnte, hat die Möglichkeit den Film noch an einem anderen Tag beim Festival zu sehen und kann trotzdem die Chance nutzen heute um 21.15 Uhr im Diskussionszelt am Rhein mit dem Filmteam ins Gespräch zu kommen.

Das Fremde als Selbsterfahrung

Salon — Internationaler Film

Das „Festival des deutschen Films“ hat sich der Filmkunst des eigenen Landes verschrieben und zeigt dieses Jahr und auch weiterhin primär deutsche Filme auf der Parkinsel. „Doch besonders als nationales Festival gibt es eine besondere Verantwortung im Hinblick auf den Themenbereich ‚Heimat & Fremde’, ‚Zuwanderung’ und ‚Weltbürgerschaft’“, so Festivalleiter Dr. Michael Kötz. In der aktuellen Debatte um Fremdenfeindlichkeit spielt vor allem die Unkenntnis um das „Fremde” eine große Rolle. Das Unbekannte macht Angst und man kann sich dem Fremden gegenüber nur so weit öffnen, wie man die eigene Lebensweise und Kultur nicht als bedroht sieht. Gegen diese Angst helfen nur eigene Erfahrungen mit dem Fremden, doch nicht jeder hatte bereits diese Berührungspunkte. Daher will das Festival diese Möglichkeit durch Filme bieten – durch Filme aus anderen Ländern mit denen man mit großer Intensität fremde Kulturen miterleben kann, als wäre man selbst dort gewesen.
Eröffnet wird die Reihe morgen, am Donnerstag, 23. August, um 19 Uhr in Festivalkino 3 mit „The Cakemaker“, einer israelisch-deutschen Koproduktion. Gezeigt wird der Film in Originalsprache, die zwischen englisch, hebräisch und deutsch wechselt, mit deutschen Untertiteln. „The Cakemaker“ ist das Langfilmdebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Ofir Raul Graizer. Dieser wird auch persönlich anwesend sein und Ihnen nach dem Film, gegen 21 Uhr, im Diskussionszelt Rede und Antwort zu seinem Werk stehen. Und vielleicht verrät er Ihnen auch eines seiner Familienkochrezepte, denn es gibt tatsächlich einige persönliche Parallelen zu Graizers Leben und dem des Protagonisten im Film. Der gebürtige Israeli pendelt zwischen Berlin, Jerusalem und der Uckermark und arbeitet zwar nicht als Bäcker, aber als Koch und hat mit „Ofirs Küche“ bereits ein Kochbuch zu israelisch-palästinensischen Familienrezepten in Deutschland veröffentlicht, in dem er die Rezepte mit Geschichten über deren Herkunft und auch über seine eigene verbindet. Eine filmisch-kulinarische Reise nach Israel.

Besuch aus der Stadt der Liebe

Die Premiere von „Schöne heile Welt“

Eine rein deutsche Produktion, die bei uns in der Reihe „Klassisch erzählt“ gezeigt wird. Aber der Film würde wohl auch in unsere Reihe Salon – Internationaler Film passen: Nicht nur thematisch beschäftigt sich der Film mit der Konfrontation mit dem Fremden im eigenen Land, auch das Filmteam ist internationaler Herkunft. So freuen wir uns morgen (23. August) zur Premiere des Films, neben Regisseur und Drehbuchautor Gernot Krää, besonders darauf, den Hauptdarsteller N’Tarila Kouka, sowie die Schauspielerinnen Jeanne Déprez, Claudia Mongumu, die extra aus Paris anreisen, um 17.45 Uhr am Roten Teppich begrüßen zu können.

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