Freiheit für den Tatort!

Freiheit für den Tatort!

Wir protestieren mit Nachdruck gegen die Absicht der ARD, die Freiheit der Kunst zu beschneiden und eine Obergrenze einzuführen für das, was ein „Tatort“ dem Zuschauer zumuten darf.

Es steht in einer ganz schlechten politischen Tradition, wenn der ARD-Koordinator Jörg Schönenborn, Politologe und Journalist, mit seinem „Kontrollkommitee“ festlegen möchte, wann ein „Tatort“ zu experimentell sei für den Zuschauer und wie oft man ihm dies zumuten könne. Der „Tatort“ ist Kunst und keine soziologische Reportage.

Mindestens genauso bedenklich ist es, wenn der mit hoher ästhetischer Fachkenntnis ausgestattete „Tatort“-Koordinator Gebhard Henke dem zustimmt und verlangt, dass der „klassische Ermittlerkrimi“ wieder dominieren müsse und ja von „von Zeit zu Zeit ein experimenteller Tatort eingestreut“ werden könne.

Wir protestieren mit Nachdruck gegen diese Haltung der Indoktrination des Publikums! Denn insbesondere beim äußerst beliebten „Tatort“ bestand durch die in letzter Zeit gewachsene Experimentierfreude des Genres eine einzigartige Gelegenheit für den Zuschauer, seinen Horizont hinsichtlich Erzählstruktur und Formverständnis der Filmkunst zu erweitern.

Schönenborn und Henke und die Koordinationsrunde der ARD werden damit zu Mithelfern einer konservativen gesellschaftlichen Rückwärtsbewegung, die sie politologisch vermutlich zugleich beklagen würden. Denn sie bestärken die Menschen darin, fremdartige ästhetische Erfahrungen so wenig zuzulassen wie manche die Fremdartigkeit zugewanderter Menschen ablehnen.

Die Serie „Tatort“ muss weiterhin schon aus Gründen der politischen Hygiene seine großen Möglichkeiten der Horizonterweiterung im Zulassen allen Fremden ausspielen können und so dem Bildungsauftrag der ARD entsprechen.

Dr. Michael Kötz

Direktor des „Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein“

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