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ZUM 18. GEBURTSTAG

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. 

Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Unsere Erde verträgt es nicht, wenn wir immer weiterwachsen, von allem immer noch mehr und alles immer noch größer haben wollen. Wir alle brauchen einen neuen Sinn für Verhältnismäßigkeit, nicht nur in der großen Wirtschaft und Politik, auch im eigenen Leben. Wir müssen uns fragen, ob wir wirklich so oft in den Urlaub fliegen müssen, wirklich alle paar Jahre ein neues Auto oder Handy brauchen und ob die Glücksversprechen, die damit verbunden sind, jemals wirklich funktioniert haben. Wir müssen aufhören, Wachstum wie eine Ersatzreligion zu feiern. Und was heißt das für das Filmfestival? 

 

Es hat Jahre gedauert, dieses „Festival des deutschen Films“ zu dem zu machen, was es heute ist. Wir haben uns jedes Jahr mehr gefreut über wachsende Besucherzahlen und wachsende Berühmtheit in der Film- & Fernsehwelt Deutschlands. Es fing sehr bescheiden an vor 18 Jahren, mit wenigen Besucher*innen, ohne Stars und ohne Roten Teppich. Aber wir wurden immer größer und immer beliebter, wurden im Jahr 2012 von der F.A.Z. zum „schönsten Festival Deutschlands“ erklärt, überschritten schon im Jahr 2016 die Marke von 100.0000 Besucher*innen und müssen heute keinen einzigen deutschen Filmstar mehr erst mühsam überreden, zu uns zu kommen. Für die Stadt Ludwigshafen sind wir ein bedeutender kultureller Leuchtturm geworden und ein nahezu unbezahlbaren Imagefaktor. Und für Tausende von Menschen ist das Filmfestival als besonders bürgernahe Kulturveranstaltung heute ein ganz wichtiger jährlicher Treffpunkt -  der mit Abstand schönste Effekt unseres rasanten Aufstiegs.

 

Dann kam die Pandemie. Sie hat uns nachdenklich werden lassen. Wir haben, wie manch andere, vor allem das Jahr 2020 genutzt, um in uns zu gehen. Wir haben uns gefragt, ob wir wirklich immer weiter wachsen wollen, mit immer noch mehr Besucher*innen, immer noch größerer Bedeutung in der Film- & Fernsehwelt. Und wir haben festgestellt, dass wir das nicht möchten. Dass wir eigentlich aussteigen wollen aus dieser Dynamik des immerwährenden Wachstums. Ein realistischer Blick auf die Finanzen zeigte uns, dass wir nicht mehr an Tickets verkaufen müssen als im Jahr 2019, um bei aller Gemeinnützigkeit trotzdem auch existieren zu können (nur 9 % unserer Kosten werden durch die Stadt und das Land gedeckt). Außerdem würde jede weitere Ausdehnung die jetzt sehr gut gewährleistete Einbettung des Festivals in die Naturlandschaft der Parkinsel gefährden und vielleicht auch dem Festival durch zu viel anwesende Besucher den Charme nehmen. Also haben wir entschieden, 2022 unser Wachstum zu beenden und in einer angemessenen Ausgewogenheit bei etwa der Größe zu bleiben, die wir 2019 - und damit jetzt auch zum 18. Geburtstag des Festivals - erreicht haben. Nur die Begeisterung, mit der wir das Festival machen und Sie es hoffentlich besuchen - die darf weiterhin wachsen, und zwar grenzenlos!