60.000 kulturbegeisterte
Menschen auf der Parkinsel
 

„Ein starkes Zeichen für die Rückkehr gemeinsamer Kulturerfahrung setzt diese Festivalausgabe mit ihren zwei Zeltkinos und zwei Freiluftkinos an diesem magischen Ort am Rhein mit knapp über 60.000 verkauften Tickets – etwa genauso viele wie die Berliner Filmfestspiele in diesem Ausnahmejahr hatten“, so Festivalintendant Dr. Michael Kötz“. „Das sind zwar 50% weniger als in unserm Rekordjahr 2019 mit 120.000 Besuchern, aber die Lust auf Kultur ist auf der Insel deutlich spürbar. Im Vergleich zu Theatern und Konzerten stehen wir noch recht gut da. Ich bin sicher, dass unsere Besucher bald wieder das Vertrauen in die Mitmenschen zurückgewinnen werden. Das Festival hat dafür ein Zeichen gesetzt und das Ludwigshafener Festivalpublikum feierte die Stars des deutschen Film- und Fernsehens – und die Stars feiern das Publikum. Hier auf der idyllischen Parkinsel funktioniert diese wechselseitige Liebe.“

So feierten über 1.000 Gäste den diesjährigen Preisträger für Schauspielkunst Ulrich Matthes zum Auftakt des Festivals. „Ich bin total überwältigt, dass dieses Kino hier so gefüllt ist. Das haben wir alle so lange nicht erlebt. Dann macht Kino doch gleich viel mehr Spaß!“, sagte Bjarne Mädel vor der Vorführung seines aktuellen Films „Geliefert“ und sprach damit vielen aus der Seele. Selbst Weltstar Jürgen Prochnow zeigte sich beeindruckt von der Reaktion des Publikums, „dies hatte ich nicht erwartet“. „Die lockere Atmosphäre, die Würdigung des deutschen Films und toll, dass es keine Unterscheidung gibt zwischen Kino und Fernsehen“ sagte Schauspielerin Nina Hoger. Für Schauspieler/ Produzent Walter Sittler ist „das Festival einfach großartig!“. Seine Liebeserklärung wurde nur noch übertroffen von der diesjährigen Preisträgerin für Schauspielkunst Claudia Michelsen: „Ich bin verliebt in Ludwigshafen“.

In 2021 begrüßte das Festival trotz Bahnstreik(!) über 300 Gäste aller Gewerke. Darunter waren die Ehrengäste/Jury Liane Jessen, Claudia Landsberger und Rainer Bock sowie Sarah Blaßkiewitz, Franziska Brandmeier, Margarita Broich, Reza Brojerdi, Karoline Eichhorn, Martin Enlen, Jan Fehse, Martin Feifel, Christoph Friedel, Zita Gaier, Florian Gärtner, Rudi Gaul, Nina Gummich, Jörg Himstedt, Hannelore Hoger, Nina Hoger, Rainer Kaufmann, Hanno Koffler, Julia Koschitz, Joachim Król, Maren Kroymann, Marlene Morreis, Nils Morten-Osburg, Richy Müller, Johannes Naber, Rick Ostermann, Barbara Philipp, Michael Proehl, Dominic Raacke, Christian Redl, Max Schimmelpfennig, Jan Schomburg, Michael Smeaton, Anna Schudt, Katja Studt, Justus von Dohnányi, Julia von Heinz, Kai Wessel, Tomy Wigand u.v.a.m..  

Das Festivalprogramm - eigenwillig, stilbewusst und klassisch - präsentierte dieses Jahr eine Auswahl von insgesamt 56 Produktionen, die um den Publikumspreis „Rheingold“, gestiftet von dem Förderkreis des Festivals, konkurrieren. 17 Filme liefen im Wettbewerb um den Filmkunstpreis des Festivals in drei Kategorien. Dazu 11 Gastbeiträge und 7 Kinderfilme.

Das „Open-Air-Kino“ wurde auf zwei Kinos erweitert. Die state-of-the-art LED-Leinwände mit digitaler Tonübertragung auf Kopfhörer für jede Besucherin oder Besucher waren schon am Nachmittag gut ausgelastet und auf dem Festival ein Hingucker.

Gut besucht war dieses Jahr auch das „Kinderfilmfest“, wieder kuratiert von Rolf-Rüdiger Hamacher. Endlich wieder Kino – und das bei bestem Wetter in dieser herrlichen Atmosphäre. Die Kinder waren unüberhörbar glücklich.

105 Filmgespräche mit den Kreativen vor und hinter der Kamera organisierte das Festival in diesem Jahr. Die von etablierten Filmkritiker geführten Diskussionsrunden - Julia Teichmann, Dr. Josef Schnelle und Rüdiger Suchsland - bleiben ein wichtiger Bestandteil des Festivals, geschätzt von Publikum und Branche. 

Weitere Highlights des 17. Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein waren die Preisverleihung für Schauspielkunst an Claudia Michelsen und Ulrich Mathes, die Sonderveranstaltung „Film & Wein“ sowie die von Festivalintendant Dr. Michael Kötz inszenierte „Filmakademie für alle“.

Das 17. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein zeigte von Mittwoch, dem 19. September bis Sonntag, den 09. September 2021, insgesamt 315 Vorstellungen. Sponsoren und Förderer des Festivals sind die Stadt Ludwigshafen, die BASF, die TWL, die GAG, die Rheinpfalz, das Klinikum der Stadt Ludwigshafen, Prof. Dr. Dohm & Kollegen, die Sparkasse Vorderpfalz, die RNV, Mcon, der Kultursommer Rheinland-Pfalz und neu mit dabei die Berkel AHK.

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17. Festivalausgabe
30.08. — 19.09.2021

DIE PREISTRÄGER*INNEN

– Die Jury – Liane Jessen, Claudia Landsberger und Rainer Bock – hat entschieden!
 
FILMKUNSTPREIS LUDWIGSHAFEN
Bester Film des Wettbewerbs – „Ivie wie Ivie“ 
Regie & Buch: Sarah Blaßkiewitz
 
Ein guter Film erzählt meist die inneren Geschichten der Zuschauerinnen und Zuschauer weiter. Besonders, wenn es um die Fragen „Wer bin ich?“ und „Woher komme ich?“ geht. Solche Identitätssuche als eine zunehmende Dramatik in unserer Zeit ist ein schweres Thema, das oft auch eine schwere Dramaturgie nach sich zieht. Der Film, der dieses Jahr den Filmkunstpreis Ludwigshafen erhält, wählt dagegen einen heiteren, coolen und leichten Ton. Die Regisseurin und Autorin Sarah Blaßkiewitz erzählt in ihrem Debütfilm selbstbewusst und konsequent von den eigenen Wurzeln und zeigt dabei ein großes aufscheinendes Talent. Die Jury vergibt voller Überzeugung den Preis an „Ivie wie Ivie“.
 
Das Kinodebüt der Leipziger Regisseurin ist am 16. September 2021 im Eigenverleih der Produktion Weydemann Bros. im Kino gestartet.
 
FILMKUNSTPREIS LUDWIGSHAFEN
Bestes Drehbuch des Wettbewerbs 
„Ich bin dein Mensch“
Drehbuch: Jan Schomburg & Maria Schrader

 
Reine romantische Science- Fiction-Filme sind selten. Meist wird um verbliebene Ressourcen und ein Überleben gekämpft. In der Geschichte, die dieses Jahr im besten Drehbuch erzählt wird, geht es um eine andere Ressource – den Menschen und seine Fähigkeit, Liebe zu finden. Jan Schomburg und Maria Schrader verbinden in „Ich bin dein Mensch“ eine emotional bewegende Geschichte mit intellektuellem Vergnügen. Ein spannender Plot, der in einer nahen Zukunft spielt, entdeckt die Liebe neu und überraschend zwischen einer einsamen Frau und ja – auch einer einsamen künstlichen Intelligenz. Hintergründig, melancholisch und humorvoll. Überzeugend.
 
FILMKUNSTPREIS LUDWIGSHAFEN
Beste Regie des Wettbewerbs 
Bastian Günther, „One of These Days“
 
Die Suche nach dem ersehnten Glück richtet sich im Leben oft auf nicht zu erreichende materielle Güter. Märchen und Filme kennen dieses starke Narrativ. Im englischsprachigen Filmbereich finden diese Erzählungen zunehmend ihren Ort in der „White-Trash-Bevölkerungsgruppe“. Arm, arbeitslos, sehnsuchtsvoll. Ein deutscher Regisseur, der schon lange in Amerika lebt und arbeitet, hat uns auf diesem Festival einen Film sehen lassen, der mit großer Humanität und einer beeindruckenden Regieleistung von diesen kleinen Leuten erzählt, die an einem einzigen Ort diesen amerikanischen Traum träumen, der aber auch immer ein allgemein menschlicher bleibt. Bastian Günther hat mit „One of These Days“ den Regiepreis des Festivals und unsere Herzen erobert.
 
Ludwigshafener Auszeichnung
Schauspiel von Dan Stevens, „Ich bin dein Mensch“
 
Was für eine Herausforderung, eine Maschine zu spielen, die einen Menschen simuliert, ohne die Maschine zu verraten und doch immer wieder durchscheinen zu lassen, ohne die menschlichen Züge zu verlieren. Und das mit einem großen Charme. Wir fanden, jeder sollte einen Dan Stevens haben. Und damit ist der Preisträger der Lobenden Erwähnung erwähnt. Dan Stevens in „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader ist absolut preiswürdig. 
 
Ludwigshafener Auszeichnung
Regieleistung von Gregory Kirchhoff, „Baumbacher Syndrome“
 
Ein magischer Ort. Ein modernes Märchen. Ein junger Regisseur. Wahrscheinlich erraten Sie im Publikum schon, wer die zweite Lobende Erwähnung erhält. Ja, es ist Gregory Kirchhoff, der mit seinem dritten Spielfilm „Baumbacher Syndrome“ eine beeindruckende Regieleistung zeigt. Wie er den Ort Mallorca geheimnisvoll inszeniert, den großen Schauspieler Tobias Moretti in ungewohnter Weise spielen lässt und wie er der alten Geschichte von „Die Schöne und das Biest“ eine moderne Form verleiht, verdient unsere Bewunderung und den Respekt von einem vielversprechenden Regietalent. 
 
 
Publikumspreis Rheingold
„Sterben ist auch keine Lösung“.
Regie: Ingo Rasper
Drehbuch: Matthias Lehmann | Produktion: Simone Höller, Michael Smeaton
 
Die Preise sind in diesem Jahr undotiert.

IMPRESSIONEN

Fotos
Elisa Berdica
Arthur Bauer
Sebastian Weindel 

Video
Edgar Koop

Ralf Herrmann
Cambrothers
Michael Daum

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