Das 22. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein ehrt den Filmregisseur Volker Schlöndorff

Ludwigshafen, den 14. Juli 2026 – Mit einem Ehrenpreis verbeugt sich das nach der Berlinale zweitgrößte deutsche Filmfestival vor der Leistung des Regisseurs, Autors und großen Kinokünstlers Volker Schlöndorff. Der Ehrenpreis wird dem 87jährigen Filmemacher am Freitag, den 28. August 2026 auf der Parkinsel am Rhein im Rahmen einer Galavorführung seines legendären Kinofilms „Rückkehr nach Montauk“ – einer Hommage an seinen Lieblingsautoren Max Frisch aus dem Jahr 2017 - verliehen. Die Laudatio hält Festivalintendant Dr. Michael Kötz.
„Er hat es sich gemütlich gemacht außerhalb Berlins zwischen Naturschutzgebiet mit See und Studio Babelsberg mit seinen 87 Jahren, nur zur Ruhe gesetzt hat er sich selbst dort nicht. Dafür liebt er seine Arbeit viel zu sehr. Volker Schlöndorff hat rund 40 Filme realisiert – und er hat so viele Preise und Ehrenpreise erhalten, dass er unseren wahrlich nicht braucht, nämlich ebenfalls fast 40! Aber er freut sich trotzdem darauf, zu uns zu kommen und wir haben uns beide spontan für ein und denselben Film aus seinen vielen Werken entschieden, den wir aus Anlass der Verleihung unseres kleinen Ehrenpreises an ihn zeigen wollen, in meinen Augen einer seiner besten: „Rückkehr nach Montauk“ von 2017 mit Nina Hoss und Stellan Skarsgård. Wir freuen uns sehr, diesen hoch aktiven Altmeister der Siebten Kunst bei uns zu haben“, sagt Festivalintendant Dr. Michael Kötz.
Volker Schlöndorff wurde 1939 in Wiesbaden geboren und erlebte seine Kindheit dort und im nahen Schlangenbad. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Paris.
1960 drehte Schlöndorff unter dem Pseudonym Volker Loki den Kurzfilm „Wen kümmert’s“ über Algerier in Frankfurt, der wegen „Parteinahme gegen eine befreundete Nation“ keine Freigabe der FSK erhielt. Noch 2007 bekannte er sich dazu, ein aktiver Unterstützer („Kofferträger“) der algerischen Befreiungsbewegung gewesen zu sein.
Zudem arbeitete er als Assistent von Ludwig Berger, Louis Malle, Jean-Pierre Melville („Eva und der Priester,“ 1961) und Alain Resnais. 1963/64 schrieb er nach dem Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Robert Musil sein erstes Drehbuch. Er drehte den Film ab 1965 unter dem Titel „Der junge Törless“. Das Werk erhielt Anerkennung und zahlreiche Prämierungen und wurde in den Kategorien Drehbuch, Regie und bester Film mit dem Deutschen Filmpreis (Goldenes Band) ausgezeichnet. Außerdem wurde es mit dem Kritikerpreis des Filmfestivals von Cannes ausgezeichnet und gilt als der erste internationale Erfolg des Neuen Deutschen Films.
Im Jahr 1969 gründet Schlöndorff mit Peter Fleischmann die Produktionsfirma Hallelujah-Film GmbH und 1974 mit Reinhard Hauff die Bioskop-Film GmbH, mit der er seither unter Leitung von Eberhard Junkersdorf seine Produktionen realisiert. Mit dem Film Die verlorene Ehre der Katharina Blum nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll produzierte Schlöndorff 1975 erstmals gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau, Margarethe von Trotta, einen großen Publikumserfolg.
1979 gelang Schlöndorff der internationale Durchbruch mit der Verfilmung von Günter Grass’ gleichnamigem Roman, „Die Blechtrommel“. Ausgezeichnet sowohl mit der Goldenen Palme in Cannes 1979 als auch mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film markiert „Die Blechtrommel“ einen Höhepunkt der internationalen Anerkennung des deutschen Films nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Danzig statt.
Als eine der interessantesten Literaturverfilmungen Schlöndorffs gilt „Die Fälschung“ (1981) nach dem Roman von Nicolas Born. Die Dreharbeiten mit Bruno Ganz und Hanna Schygulla fanden während des libanesischen Bürgerkriegs in Beirut statt.
Am 21. März 1991 feierte seine Verfilmung von Max Frischs Roman „Homo Faber“ Premiere. Von 1992 bis 1997 war Volker Schlöndorff Geschäftsführer des Filmstudio Babelsberg und rettete das älteste Filmstudio Europas vor dem Konkurs. Zum Ende dieser Ära entstand in Babelsberg 1996 „Der Unhold“ (auch Drehbuch).
Nun folgten Filme fast im Jahrestakt: 1998 „Palmetto – Dumme sterben nicht aus“. 2000 „Die Stille nach dem Schuss“ (auch Drehbuch), 2002 „Ten Minutes Older“ (Episodenfilm – ein Kurzfilm), 2004 „Der neunte Tag“, 2005 „Enigma – Eine uneingestandene Liebe“ (auch Drehbuch), 2007 „Strajk – Die Heldin von Danzig“, 2007 „Ulzhan – Das vergessene Licht“, 2011 „Das Meer am Morgen“, 2014 „Diplomatie“, 2017 „Rückkehr nach Montauk“ (auch Drehbuch), 2017 ‚“Der namenlose Tag“, 2021 „Zeitzeugengespräch“ (Dokumentarfilm, Schlöndorff spricht mit dem Holocaust-Überlebenden und 100jährigen Leon Henry Schwarzbaum), 2021 „Der Waldmacher“ (Dokumentarfilm über die Wiederaufforstungsarbeit des australischen Agronomen Tony Rinaudo in Afrika), 2023 „German Genius (Fernsehserie) und aktuell 2026 „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ (auch Drehbuch).
2008 erschien seine Autobiographie „Licht, Schatten und Bewegung. Mein Leben und meine Filme“ im Hanser Verlag, München.
Neben seiner Tätigkeit als Filmregisseur inszeniert er mit Begeisterung Opern und Bühnenwerke.
Foto: Jim Rakete
