22. August – 9. September 2018

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Für wen macht man ein Filmfestival?

Viele Jahre lang waren Filmfestivals dafür da, für die fachlich-kritische Diskussion über neue Filmwerke zu sorgen. Im Hintergrund hatten sie dabei stets eine weitere Aufgabe, die in den letzten zwei, drei Jahrzehnten immer wichtiger wurde: nämlich den ökonomischen Wert der neuen Filmware festzulegen. Je bedeutender das Festival, desto höher stiegen die Preise für die anschließende Vermarktung der Filmpremieren durch Filmrechtehändler und Verleiher. Aber nur für etwa 20 der rund 2.000 Filmfestivals weltweit gilt das heute noch. Die anderen haben längst weltweit eine ganz andere Funktion. Auch wenn das nicht jeder zugeben will.

FILMFESTIVALS SIND HEUTE WICHTIGE KULTISCHE FEIERTAGE DER KUNST DES KINOS. Je mehr Besucher/innen sie haben, desto größer ist ihre Bedeutung. Sie sind „Publikumsfestivals“ in einem neuen Sinn. Denn sie beweisen die Attraktivität des Ortes Kino und die überragende Qualität einer intensiven Filmerfahrung, die nur dort möglich ist. Hier kommen Menschen zusammen, um in großer Zahl zugleich aus einem einzigen Fenster hinaus in die Welt zu sehen, tief begeistert und betroffen von dem, was sie gemeinsam erleben. Publikumsfestivals sind damit auch keine ökonomische Konkurrenz zum gewöhn- lichen Kinobesuch, sondern eine temporäre und nachhaltige festliche Werbung für den Erlebnisort Kino. Der Festivalbesucher wird als Partner gesehen und in spielerischer Weise zugleich sehr ernst genommen.

DAS FILMFESTIVAL DER NEUEN ART antwortet damit auf den allgemeinen Strukturwandel in der Rezeption von Film (Stichwort Internet) und den Verlust der früheren ökonomischen Bedeutung von Filmfestivals. Das Filmfestival wird zu einer Feier der kollektiven Erlebnisform des Films im Kino, einer festlich zele- brierten Werbung für den Erfahrungsreichtum des Filmerlebens in den Räumen des Kinos.

NIEMAND IST EINE INSEL und Filmfestivals beweisen es – und bilden ein bedeutendes Gegengewicht zur zunehmenden Vereinsamung der Menschen vor den Bildschirmen. Es gibt heute keinen besseren Grund, ein Filmfestival zu machen, als diesen.

Warum kann das Festival nicht
mehr im Frühsommer stattfinden?

Am 22. August wird es beginnen und bis zum 9. September 2018 gehen. Warum kann das Festival nicht mehr im Frühsommer stattfinden? In den dreizehn Jahren des Bestehens gab es immer mal wieder einen bedrohlich hohen Pegelstand des Rheins, im Jahr 2013 musste das gesamte Festival an anderer Stelle neu aufgebaut werden (wobei diese Stelle jetzt nicht mehr zur Verfügung stünde). Aber das Jahr 2016 hat uns klar gemacht, wie hoch das jährliche Risiko in Wahrheit stets gewesen ist. Denn am 15. Juni 2016, dem dritten Tag des Festivals, haben nur noch acht Zentimeter am Rheinpegelstand gefehlt und eine Fortsetzung der Veranstaltung wäre aus Sicherheitsgründen (insbesondere der Standsicherheit der übergroßen Bäume) nicht mehr vertretbar gewesen. Das Festival wäre also bei nur 8 cm höherem Pegel am nächsten Tag, dem 16. Juni, evakuiert worden und die Insel wäre für mindestens zwei Wochen gesperrt worden. Damit wäre am 4. Tag das Filmfestival 2016 vollständig beendet gewesen. Das hätte der Besucher sicher traurig gefunden, das eigentliche Drama aber hätte darin bestanden, dass dies dann auch das letzte Filmfestival für alle Zeiten gewesen wäre. Der Grund sind die Finanzen. Dreiviertel des Festivalbudgets stammen aus den Einnahmen durch Kinobesuch und Bewirtung. Diese Einnahmen hätten dann zum Großteil gefehlt, und zwar in einer Größenordnung von fast einer Million Euro. Dieses Defizit hätte die Festival gGmbH nicht überlebt. Das Risiko der vollständigen Existenzgefährdung ist nicht vertretbar angesichts der Möglichkeit, die Veranstaltung auch im Spätsommer durchführen zu können, wo die Hochwassergefahr gleich Null ist. Ich denke, das ist einsichtig, zumal die Wetterbedingungen Ende August/ Anfang September (anders als 2017) in der Regel noch ziemlich angenehm sind.

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