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Für wen macht
man ein Filmfestival?

Viele Jahre lang waren Filmfestivals dafür da, für die fachlich-kritische Diskussion über neue Filmwerke zu sorgen. Im Hintergrund hatten sie dabei stets eine weitere Aufgabe, die in den letzten zwei, drei Jahrzehnten immer wichtiger wurde: nämlich den ökonomischen Wert der neuen Filmware festzulegen. Je bedeutender das Festival, desto höher stiegen die Preise für die anschließende Vermarktung der Filmpremieren durch Filmrechtehändler und Verleiher. Aber nur für etwa 20 der rund 2.000 Filmfestivals weltweit gilt das heute noch. Die anderen haben längst weltweit eine ganz andere Funktion. Auch wenn das nicht jeder zugeben will.

Filmfestivals sind heute wichtige kultische Feiertage der Kunst des Kinos. Je mehr Besucher/innen sie haben, desto größer ist ihre Bedeutung. Sie sind „Publikumsfestivals“ in einem neuen Sinn. Denn sie beweisen die Attraktivität des Ortes Kino und die überragende Qualität einer intensiven Filmerfahrung, die nur dort möglich ist. Hier kommen Menschen zusammen, um in großer Zahl zugleich aus einem einzigen Fenster hinaus in die Welt zu sehen, tief begeistert und betroffen von dem, was sie gemeinsam erleben. Publikumsfestivals sind damit auch keine ökonomische Konkurrenz zum gewöhnlichen Kinobesuch, sondern eine temporäre und nachhaltige festliche Werbung für den Erlebnisort Kino. Der Festivalbesucher wird als Partner gesehen und in spielerischer Weise zugleich sehr ernst genommen.

Das Filmfestival der neuen Art antwortet damit auf den allgemeinen Strukturwandel in der Rezeption von Film (Stichwort Internet) und den Verlust der früheren ökonomischen Bedeutung von Filmfestivals. Das Filmfestival wird zu einer Feier der kollektiven Erlebnisform des Films im Kino, einer festlich zelebrierten Werbung für den Erfahrungsreichtum des Filmerlebens in den Räumen des Kinos. Niemand ist eine Insel und Filmfestivals beweisen es – und bilden ein bedeutendes Gegengewicht zur zunehmenden Vereinsamung der Menschen vor den Bildschirmen. Es gibt heute keinen besseren Grund, ein Filmfestival zu machen, als diesen.

Es ist eine
Überraschung ...

Es ist eine Überraschung, in der Industriestadt Ludwigshafen am Rhein auf diese Oase zu treffen. Mit riesigen Bäumen voller Vogelgezwitscher liegt vor einem eine majestätisch schöne Parkinsel. Normalerweise ist es hier still und man hört nur noch das Geplätscher des großen Flusses. Jetzt aber schlendern Tausende Besucher durch die Zeltlandschaften des Filmfestivals, suchen einen Liegestuhl fürs Rheinufer, warten auf die Ankunft der Stars oder wollen ein Ticket kaufen für die Premieren in den beiden riesigen Kinosälen, die jeder über 1200 Sitzplätze verfügen. Stundenlang kann man mit Freunden auf den Terrassen am Rhein sitzen, das gute Essen und Trinken genießen, über aufregende oder traurig-schöne Filme reden, vielleicht auch über das Leben überhaupt, während im Hintergrund die Kähne vorbeiziehen auf ihrer Fahrt in ferne Häfen des Rheins. Man kann in heiterer Gelassenheit das Leben genießen und sich zugleich an der Filmkultur erfreuen. Immer beides auf einmal. Und immer in guter Gesellschaft.

Das schönste 
Festival Deutschlands

Die F.A.Z. hat uns diesen Titel verliehen. Wegen der Schönheit und der überraschenden Eleganz der Parkinsel im Rhein inmitten einer Industriestadt. Und wegen der Atmosphäre. Dieser besonderen Mischung aus Lebensfreude mit Sonnenuntergang und der Begeisterung für Filmkunst. Weil hier Tausende von Menschen die Filme und ihre Künstler/innen feiern und diskutieren wie nirgendwo sonst. Mit über 100.000 Besucher/innen sind wir das nach der Berlinale zuschauerstärkste Filmfestival Deutschlands... Aber wie wird aus der äußeren auch eine innere Schönheit?